Bekannt wurde Matthias Brandt, jüngster Sohn von Willy Brandt, ausgerechnet in der Rolle des Mannes, durch den einst sein Vater zum Rücktritt gezwungen wurde: Günter Guillaume. Wie in dem Kanzlersturzfilm „Im Schatten der Macht“ überzeugt Brandt auch in dem Fluchthelferdrama „Der Stich des Skorpion“ als der Mann an der Seite des Helden. In "Wie krieg ich meine Mutter groß?" war Brandt der Mann an der Seite von Katja Flint...
Text-Stand: April 2005
Herr Brandt, Sie sagten, bei “Im Schatten der Macht” sei es ein schöner Nebeneffekt gewesen, etwas über die Politik der frühen 70er Jahre zu erfahren. War das auch bei “Der Stich des Skorpion” ein Grund für Sie, die Rolle anzunehmen?
Ich fand es erst mal interessant, einen Typen zu spielen, bei dem man seinen schauspielerischen Profilierungswillen zurücknehmen muss. Volker ist der beste Freund des Helden, ein Mitläufer im Film. Er darf nicht weiter auffallen. Später bei der Vorbereitung zum Film fand ich es schon spannend, mich mit der Fluchthelfer-Geschichte, von der ich nicht viel wusste, zu beschäftigen.
Sie spielen oft den guten Freund, den Introvertierten, den Nachdenklichen. Sucht sich da Ihre persönliche Mentalität die entsprechenden Rollen?
Ich glaube, das ist bei jedem Schauspieler so, dass es zunächst mal eine in der Mentalität begründete Annäherung gibt an eine Figur. Dass ich auch einen leisen Angang an Figuren mag – das ist sicher so. Dennoch würde ich mich nicht darauf verlassen wollen, was meine Person mitbringt. Ein Schauspieler muss ja auch beobachten, was alles um ihn herum passiert.
Ob Guillaume, ob die Rolle in „Wie krieg ich meine Mutter groß?“ oder in “Einsatz in Hamburg”, wo Sie aus Liebe zum Mörder wurden – Sie spielen gerne Figuren, die sich extrem verstellen müssen. Ist das Zufall?
Auf jeden Fall ist es von mir nicht geplant. Das sind einfach Geschichten und Rollen, die mich interessieren. Die Figuren sind nicht so eindimensional angelegt. Im übrigen sind es schon sehr unterschiedliche Charaktere.
Hängt Ihre Vorliebe für komplexere Rollen mit Ihrer Theatervergangenheit zusammen?
Das mag durchaus sein. Ich habe immerhin 15 Jahre Theater gespielt. Dadurch war ich einen anderen Umgang mit Rollen gewöhnt. Auch diese Typ-Festlegung in dieser Eindeutigkeit, wie es oft beim Fernsehen der Fall ist, die gibt es beim Theater nicht.
Hatten Sie in Ihrem Beruf anfangs ein Problem damit, der Sohn von Willy Brandt zu sein?
Das war ja immer ein Thema. Geholfen hat es mir, dass ich am Theater meine Heimat gefunden habe. Weil da im positiven Sinne des Wortes auf kleinerer Flamme gekocht wird. Und je mehr man in den Beruf reinwächst, desto weniger wird man über seine Herkunft definiert und desto mehr über das, was man macht.
Das klingt ziemlich aufgeräumt ...
Mittlerweile bin ich ja entspannter, was das Thema angeht. Ich will aber nicht bestreiten, dass das manchmal nicht so einfach war. Weil es genervt hat. Ich dachte, es kann doch keine Rolle spielen, ob ich der Sohn von Willy Brandt bin oder von Fritz Müller. Aber für viele Leute ist der Name eben interessant.
Sie haben mal gesagt, dass es schwer war, Ihrem Vater nahe zu kommen, dass er aber Menschen, die ihn gar nicht kannten, große Nähe vermitteln konnte. Ist das nicht ein Phänomen, das auch typisch ist für das Filmgewerbe?
Das kann sein. In meinem Beruf muss man schon auch lernen, dass Lebensfreundschaften und Berufsfreundschaften nicht unbedingt identisch sein müssen. Bei meinem Vater fand ich diesen Widerspruch so interessant, dass es offensichtlich große Probleme gab im direkten Miteinander, gepaart mit der Fähigkeit, einem anonymen Gegenüber eine große Nähe und fast Intimität zu vermitteln. Vielleicht braucht es sogar dieses Für-sich-Sein im direkten Miteinander, um das andere zu erzeugen? Diese Frage fand ich immer spannend.
Die Frage lässt sich auch auf die Kunst beziehen.
Das ist sicher ein Problem, dem sich jeder stellen muss, der mit Meinungen, Werten und Öffentlichkeit zu tun hat. Ich glaube, dass man sich sehr gründlich und wahrhaftig damit beschäftigen muss, weil man sonst tatsächlich Gefahr läuft, in einer Scheinwelt zu leben.
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