Dreharbeiten im Wüstensand von Namibia. Die Ufa produziert im Auftrag des ZDF einen Thriller unter afrikanischer Sonne. Die Geschichte einer Geiselnahme in einem namenlosen afrikanischen Land. Thorsten Näter, der auch das Drehbuch geschrieben hat, führt Regie. „Er ist Garant dafür, dass es keine Afrika-Schnulze wird“, betont Oliver Stokowski in einer Drehpause. Für den Schauspieler ist es „ein Kammerspiel mit viel, viel Sand“.
(Text-Stand: 20.10.2008) Ein Mann und eine Frau in der Wüste. „Ich finde es das letzte, dass du diesen Typen hilfst“, keift sie. „Sollte für uns Lösegeld bezahlt werden, möchtest du … dann den Heimweg, äh, gern zu Fuß antreten?", kommt es zurück. Oliver Stokowski will der Satz nicht so recht über die Lippen. „Der Mann darf sich nicht so provozieren lassen“, erklärt er sich laut die Situation. Beim nächsten Mal klappt es schon besser. „Mit dir zu streiten ist, als ob man versucht, ’nen Pudding an die Wand zu nageln“, wirft ihm die Frau an den Kopf. Ann-Katrin Kramer spielt sie fiebernd, mit offener Wunde am Arm. Ihr Gegenüber reagiert nun der Notlage entsprechend und lässt sich nicht auf einen sinnlosen Beziehungsstreit ein. „Super!“ – jetzt ist auch der Regisseur zufrieden.
Dreharbeiten im Wüstensand von Namibia. Die Ufa produziert im Auftrag des ZDF einen Thriller unter afrikanischer Sonne. Die Geschichte einer Geiselnahme in einem namenlosen afrikanischen Land. Thorsten Näter, der auch das Drehbuch geschrieben hat, führt Regie. „Er ist Garant dafür, dass es keine Afrika-Schnulze wird“, betont Stokowski in einer Drehpause. Für den Schauspieler, der fünf Jahre im ZDF „Der Ermittler“ war, ist es stattdessen „ein Kammerspiel mit viel, viel Sand“. Einer, der das gerne lächelnd bestätigt, ist Wolfgang Stumpf. Der hat sich, während Kramer und Stokowski nach der richtigen Tonlage suchen und der Wüstenwind dabei mächtig auffrischte, zwischen zwei Bussen versteckt, eingepackt wie ein Beduine. „Die ganze Zeit hat man hier Sand zwischen den Zähnen“, sagt er schmunzelnd. Einen Dreh Marke „Traumschiff“ hat der Sachse allerdings auch nicht erwartet. Dennoch scheint er die Arbeit mit Näter & Co sichtlich zu genießen. „Ich bin ja sonst immer das Frontschwein, fühle mich bei meinen Stoffen immer auch mit verantwortlich“, so Stumph, „von daher ist dieser Film bei allen Unwägbarkeiten eine Erholung für mich.“
Nur wenige Kilometer entfernt ist ein weiteres deutsches Fernsehteam bei der Arbeit. Marco Girnth, Tyron Ricketts und Nina Petri als Gaststar werden für ein Ausland-Special von „SOKO Leipzig durch die Weiten Namibias gescheucht. 15 Tage Afrika – das ist auch für deutsche Schauspieler etwas Besonderes. Petri hätte es gern noch etwas abenteuerlicher gehabt. „Ich war auf vieles gefasst, aber nicht, dass hier alles so zivilisiert ist.“ Einen geradezu irrealen Eindruck machte auf die Schauspielerin das ehemalige deutsche Kolonialstädtchen Swakopmund. „Man kommt aus der Wüste und plötzlich ist da diese Puppenstadt und man kommt sich eher vor wie in einem deutschen Seebad als in Afrika. Alles ist super sauber, es gibt wenig Menschen auf der Straße, es wirkt wie eine Filmkulisse.“
Auch der wahre Kulissenzauber lässt nicht lange auf sich warten: denn die 25.000-Einwohner-Stadt, benannt nach dem Fluss Swakop, ist in diesen Tagen nicht nur in deutscher Produzentenhand. Auch Bollywood lässt die Puppen tanzen, verbaute massig Pappmaché und tauchte den Pinsel tief in den Farbeimer. „Es ist die Landschaft, die die internationalen Produktionen anzieht“, weiß die Vorort-Produzentin und Location-Beraterin Michaela Bauer. „Die indische Filmindustrie leistet es sich heute gern einmal, zehn Tage in der Wüste zu drehen.“ Und auch die Engländer belebten die Stadt: Kein Geringerer als Christopher Nolan, Regisseur des Blockbuster „The Dark Knight“, zog es für die Neuauflage der Sixties-Kultserie „The Prisoner“ (deutsch: „Nummer 6“) nach Swakopmund und von da in einen Wüsteabschnitt, der nicht umsonst „Mondlandschaft“ heißt. Bauer: „Man fährt 15 Minuten und ist in the middle of nowhere.“ Produzenten lieben solche Locations.
Die Mondlandschaft steht auch auf dem Drehplan der beiden Ufa-Produktionen. Denn drehen im Sand zerrt nicht nur an den Nerven von Team und Schauspielern, auch der Zuschauer sieht sich recht schnell satt. „Sand ermöglicht keine dramatischen Positionen der Figuren zueinander, Sand neigt dazu, einen Mauereffekt zu bilden“, erklärt Regisseur Näter das Versandungsphänomen. Allein Einsamkeit und Verlorenheit lassen sich in Sandwüsten besser als anderswo bebildern. „Sobald man aber Felsen hat, gibt es Punkte, mit denen man dramatisch spielen kann.“ Die karstig-bizarren Wüsten im ehemaligen Südwestafrika waren nicht der einzige Grund, der Namibia zu Näters Wunschland machte.
„Entführungsgeschichten sind schon öfters erzählt worden, aber noch nie für Länder, die deutlich Afrika sind.“ In Marokko, Algerien, da sei Verständigung noch möglich. In einem westafrikanischen Land, fernab von einer Metropole, sei es dagegen schwer, sich mit einer anderen als der jeweiligen Stammessprache zu verständigen. Um Fremdheit aber geht es in „Draußen wartet der Tod“. Eine Gruppe Pauschalreisender wird entführt. „Leute, die nichts über das Land wissen, die in eine ihnen völlig fremde Welt gestoßen werden“, betont Näter. „Der Film soll deutlich machen, wie wenig wir, wenn wir im Rahmen dieser massentouristischen Veranstaltungen fremde Länder bereisen, doch in diesen Ländern sind.“ Verstärkt wird der Eindruck der Fremdheit dadurch, dass die Deutschen kein Wort der Entführer verstehen. Und noch weiter geht der Wille zur Authentizität: Näter castete die Komparsen, die die Rebellen spielen, von der Straße weg. Die Action-Szenen mit schweren Waffen wirken echt, aber nicht ungefährlich. „Die Jungs haben nicht immer so richtig die Kontrolle über das, was sie machen“, musste Oliver Stokowski erfahren, „da muss man schon aufpassen, dass man nicht mal einen Gewehrkolben in die Seite kriegt.“
Wolfgang Stumph hat so manchen Kratzer abbekommen – allerdings ohne Fremdeinwirkung des Gegners. „Ich bin hart im Nehmen“, sagt er und setzt sein berühmtes Lächeln auf. Andere Dinge sind ihm wichtiger: wenn nicht gedreht wird, mischt er sich gern unters Volk. „Die Armut sieht hier anders aus“, konnte er feststellen. „Die Menschen sind anständig gekleidet, weil man ein paar Jeans für sieben Euro kriegen kann.“ Mit 100 Euro Durchschnittsverdienst kann man aber keine großen Sprünge machen. „Die Diskrepanz zwischen Schwarz und Weiß ist immer noch sehr groß, die einen dienen, die anderen lassen sich bedienen“, so Stumph. Was ihm besonders unangenehm auffiel: „Die Toleranz zur Gleichberechtigung und zum multikulturellen Leben ist bei vielen deutschstämmigen Namibiern unzureichend ausgebildet.“ Auch Stumph-Tochter Stephanie, die für die Rolle einer etwas etepeteten Kosmetikerin engagiert wurde, macht sich so ihre Gedanken. Die kreisen um die Frage, wie man hier als junger Mensch (über)leben kann. „Hier ist abends rein gar nichts los, aber auch kulturell nichts gebacken“, stöhnt sie, „am liebsten würde ich auch am Wochenende drehen.“
Anderen macht vor allem das Wetter zu schaffen. „Nachmittags wechselt die Stimmung des Lichts komplett“, klagt Thorsten Näter. Bei einem Nachtdreh fiel die Quecksilbersäule auf unter 5° Celsius, dazu gab es Regen und Nebel. „Das sind Hamburger Verhältnisse, in Afrika habe ich mir das anders vorgestellt.“ Die „SOKO“-Macher haben da schon mehr Glück. Sie drehen nur kurz in der Gegend um Swakopmund. Der Film, der als Road-Movie konzipiert ist, beginnt in Windhoek. Die Herausforderung sind hier nicht Wetter und Wüste, sondern die soziale Realität Namibias. Gedreht wird auch in einem Township. „Wir suchen keine Postkartenbilder“, betont Ufa-Producerin Henriette Lippold. Auch die Story sucht nach Bezügen zur Wirklichkeit.
„In Ostdeutschland gab es diese Schulen, auf die Namibische Kids von Widerstandskämpfern der SWAPO geschickt wurden, um dort als Elite herausgebildet zu werden.“ Ein wichtiger Hintergrund für die Geschichte vom schwarzen Deutschen, der nach seinem Vater sucht. Sogar der alltägliche Rassismus in Deutschland findet Eingang in die Krimistory. „Weißt du, was das für ein Gefühl ist als schwarzes Kind allein in einem weißen Land aufzuwachsen? Ohne deinen Vater als Vorbild?“. Bei den Worten öffneten sich nicht nur bei SOKO-Ermittler Patrick die Schleusen. Auch Tyron Ricketts und Günther Kaufmann ließen sich anstecken. Zwei weindende Männer in der Wüste.