ZDF und Berben-Clan wollten mit „Rosa Roth“ letztes Jahr den ganz großen Coup landen. Doch der Dreiteiler „Der Tag wird kommen“, ein großspuriger Thriller um religiös motivierten Terrorismus, floppte. Jetzt muss „Rosa Roth“ die Zuschauer auf bewährtem Wege zurückgewinnen. Es gelingt nicht. "Der Fall Jochen B." ist eine weitere Enttäuschung.
ZDF und Berben-Clan wollten mit „Rosa Roth“ im vergangenen Jahr den ganz großen Coup landen. Doch der Dreiteiler „Der Tag wird kommen“, ein großspuriger Thriller um religiös motivierten Terrorismus, wurde zum kapitalen Flop. Nichts wurde daraus, es der Konkurrentin Bella Block mal so richtig zu zeigen. Mies gelaunt kommt offenbar besser an als gut gestylt. Jetzt muss „Rosa Roth“ die Zuschauer auf bewährtem Wege zurückgewinnen.
In ihrem neuen Fall, dem 25. Film im 15. Produktionsjahr, muss sich Iris Berbens Kommissarin wieder ganz dem Dreck unter deutschen Dächern zuwenden. In einem Stundenhotel wird ein Strichjunge erschossen. Ein Fahnder der Sitte nutzte den Ermordeten offenbar nicht nur als Informant. Dass er in jungen Jahren einmal Rosa Roths Geliebter war, macht für die Kommissarin die Ermittlungen nicht leichter. Obwohl er sie belügt, glaubt sie an seine Unschuld. Doch dann findet man bei ihm die Tatwaffe.
Es ist nicht allein das grauenvolle Themenduett aus Menschenhandel und Kinderprostitution, das an die Nieren geht. Auch die Art und Weise, wie in „Der Fall des Jochen B.“ Eckhard Theophil, ein Drehbuchautor mit reichlich Kiez- und Knasterfahrung, und Rola zu Werke gehen, ermöglicht kaum Distanz. Immer schon kam die Reihe etwas knalliger daher als andere sozialkritische Edel-Krimis. Schwer lastete stets das Grauen der Welt auf den schmalen Schultern der schönen Kommissarin. Dieses Mal treiben es die Macher aber zu weit. Es gibt kein Entkommen. Was bei „Bella Block“, „Unter Verdacht“ oder HR-„Tatort“ stets den Gang in die psychologische Tiefe sucht, bleibt bei „Rosa Roth“ eher ein Oberflächenschock.
Es ist die Mixtur aus Realitätsnähe und „bigger than life“, die die Reihe auszeichnet und ihr immer schon ein Glaubwürdigkeitsproblem gab. Die Berliner Kommissarin steigt seit 1994 wohl frisiert und stilvoll gekleidet in menschliche Abgründe. Beigefarbener Flanellmantel, der Rest ist schwarz, muss schwarz sein, die Hosen, die Stiefel, die Luxuskarosse. Mehr denn je fragt sich, ob das passend ist. Fast sieht es so aus, als würde die unlängst statistisch bestätigte, zunehmend gespreizte Schwere zwischen arm und reich hierzulande in „Rosa Roth“ ihren telegenen Ausdruck finden.
Eines macht der Jubiläumsfilm deutlich: „Rosa Roth“ muss sich neu (er)finden. Umorientieren sollte sich die Reihe vor allem dramaturgisch. Der Ausstieg von Jockel Tschiersch und Zacharias Preen in der Rolle der Wasserträger macht die Ermittlungs-vorgänge für die Autoren nicht leichter: auffallend häufig muss sich Rosa Roth in der neuen Folge mit der guten Seele des Kommissariats (Carmen Maja Antoni) austauschen. Vom Kaffeekochen zur Küchenpsychologie – das aber wird die Reihe nicht weiterbringen. Auch der Staatsanwalt – markig gespielt von Gunter Schoß, doch wenig markant die Rolle – ist nicht unbedingt ein Hoffnungsträger.