• Analyse   Pervertiertes Glück in allen Varianten

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick Ästhetik, Sinnlichkeit, Lulu: "Mord in Ludwigslust" von Kai Wessel Filmgeschichte und Kinokult-Klassiker 02/2012 auf einen Blick Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen Brauche neuen Laptop! Klicken & Spenden für tittelbach.tv!
      Foto: ZDF / Volker Roloff

      Über 30 Fiktion-Premieren. Februar-Highlights auf einen Blick

      Foto: ZDF

      Ästhetik, Sinnlichkeit, Lulu: "Mord in Ludwigslust" von Kai Wessel

      Foto: ZDF

      Filmgeschichte und Kinokult-Klassiker 02/2012 auf einen Blick

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen

      Brauche neuen Laptop! Klicken & Spenden für tittelbach.tv!

      "Debüt im Ersten": Spitzenschauspieler in kleinen Filmen mit großen Momenten

      Wenn die großen Fernsehfilme Pause machen, dann schlägt die Stunde der kleinen Kino-Koproduktionen mit ihren gesellschaftlichen Entwürfen, den biografisch angereicherten Geschichten und den erfrischenden Ästhetiken. Um moderne Transformationen der Glückssuche, um Familien, die als sicherer Hort der Kindheit und Jugend nicht mehr funktionieren, geht es in den neuen Filmen der diesjährigen „Debüt im Ersten“-Reihe.

      Eine Frau verprügelt ihren Mann mit allem, was im trauten Heim greifbar ist. Sie ist Lehrerin, er ist Polizist, nach außen geben sich beide freundlich und hilfsbereit, doch in ihren vier Wänden durchleben sie die Hölle. „Der Film handelt von Liebe und Abhängigkeit; Gewalt ist eher der Glutkern der Geschichte“, sagt Jan Bonny über seinen Film „Gegenüber“. Draufhauen und Ducken als zwei Seiten einer Medaille, zwei Möglichkeiten, Verlustängste auszuleben. Wenn diese gnadenlose Koexistenz ihren physisch radikalsten Ausdruck findet, wenn es auf dem Wohnzimmerteppich Hiebe setzt, dann ist man ganz nah bei dem verzweifelten Paar, das sich selbst nur in solchen Momenten nahe zu kommen vermag.

      Um pervertierte Nähe, um moderne Transformationen der Glückssuche, um Familien, die als sicherer Hort der Kindheit und Jugend nicht mehr funktionieren, geht es in den neuen Filmen der diesjährigen „Debüt im Ersten“-Reihe. Wenn die großen Fernsehfilme Pause machen, dann schlägt die Stunde der kleinen Kino-Koproduktionen mit ihren gesellschaftlichen Entwürfen, den biografisch angereicherten Geschichten und den erfrischenden Ästhetiken.
      Mit „Shoppen“, der immerhin 300.000 Kinozuschauer hatte und den Bayerischen Filmpreis bekam, startete das allsommerliche Jungfilmer-Schaulaufen der ARD höchst unterhaltsam in die neunte Staffel. „Gegenüber“ ist jetzt am Montag zu sehen. Es ist der nachhaltigste Film der neun vorgestellten Produktionen – nicht zuletzt wegen seiner beiden überragenden Hauptdarsteller: Victoria Trautmannsdorff als überforderte Ehefrau und Matthias Brandt als der Meister des Erduldens.

      Ein weiterer Film, bei dem einem als Zuschauer gelegentlich der Atem stocken kann, ist „Höhere Gewalt“ von Lars Henning Jung. An einem letzten Wochenende kommt eine Jugendclique noch einmal zusammen, um einige persönliche Dinge zu klären. Doch es werden keine Stunden der Wehmut. Die vergangenen Jugendjahre werden nicht romantisch verklärt, sondern als ein ewiger Machtkampf beschrieben, der an diesem Wochenende sein blutiges Finale erfährt. Manipulation, Vergewaltigung, Meuchelmord – so überzogen diese Motive erscheinen mögen, der Film, der fast ausschließlich in einem abgelegenen Landhaus spielt, entwickelt einen magischen Sog. Dichte Dramaturgie, spannungsintensive gruppendynamische Prozesse, eine klaustrophobische Enge durch eine Kamera, die an den Figuren klebt, und ein vorzügliches Schauspieler-Sextett (besonders überzeugend: Vinzenz Kiefer und Alice Dwyer) machen „Höhere Gewalt“ zu einem „Aufreger“ in mehrfacher Hinsicht. Konsequent der Einsatz der drastischen Sprache: „Sie ist der Mittler auf dem Weg zu den tätlichen Angriffen“, so Regisseur Jung.

      Nicht nur schwere Dramen sind in den nächsten Wochen zu erwarten. In „Reine Geschmackssache“ beispielsweise schlüpft Edgar Selge in die Rolle eines Handelsvertreters für Damenoberbekleidung. Das ist köstlich und hat auch seine Tiefen. Auch der Frauenfilm „Frei nach Plan“, der sich dem Klassiker „Familienfest“ annimmt, ist nicht frei von Komik. Ebenso wie das gut gespielte Gefühlsfindungskammerspiel „Blindflug“ oder die „Die Unerzogenen“, eine Wenn-ich-groß-bin-werde-ich-Spießer-Geschichte um eine 14-Jährige, die von dem Althippie-Habitus ihrer Eltern angeödet ist. Kleine dramaturgische Hänger sind bei Erstlingsfilmen üblich. So setzt das Workaholic-Drama „Vineta“ lange auf Verrätselung und Ästhetisierung, um am Ende eine eher banale sozialutopische Auflösung zu geben: Vineta ist ein Entsorgungsprojekt für „untragbare“ Mitarbeiter, die selber nichts von ihrer Ausmusterung ahnen.

      Fast allen Filmen gemeinsam ist die Präsenz namhafter Schauspieler. In die Galerie der bekannten Köpfe reihen sich dieses Jahr ein: Matthias Schweighöfer, Marie Zielcke, Dagmar Manzel, Corinna Harfouch, Peter Lohmeyer, Ulrich Matthes, Justus von Dohnányi, Christoph Bach und Franziska Walser. Deutschlands 1-A-Mimen wollen sich offenbar nicht in TV-Schmonzetten verschleißen und spielen lieber in kleinen Filmen mit kleineren Gagen. Ein Signal für Qualität.

      Rainer Tittelbach


      Drucken Senden Kommentieren

      Mediadaten
      Informationen für Sponsoren und Werbekunden
      Spenden mit Paypal

       

    • Startseite
    • Programm
      • Fernsehfilm
      • Reihe
      • Mehrteiler
      • Serie
      • Kino-Koproduktion
      • Interview
      • Porträt
      • Kurztipps
    • > Exklusiv <
      • Interview
      • Porträt
      • News
      • > Analyse <
      • Drehbericht
    • Bonusmaterial
      • Toplisten
      • Was andere schreiben
      • Web-Tipps
      • Soundtrack
      • DVD-Tipps
      • Dancing DJ Roger
    • Intern
      • Über mich
      • Sehen, was sich lohnt
      • Glossar
      • Mediadaten
      • Angebote
      • Datenschutz
      • Kontakt
      • Gästebuch
      • Impressum
    • Kino-Klassiker 02/12

      • "Nackt unter Leder"
        Foto: ZDF
      • Mach dir dein Programmkino! Filmgeschichte & Kultkino werden im Programm versteckt. Deshalb präsentiert tittelbach.tv jeden Monat die Alltime Classics. Finden, was Sender verstecken: z.B. Pop-Ikone Marianne Faithfull im Kultfilm "Nackt unter Leder"

    • TV-Soundtracks

      • Nico: Femme fatale
      • Top-Songs aus aktuellen Fernsehfilm-Soundtracks:
         

        • Velvet Underground feat. Nico: Femme fatale ("Neue Vahr Süd")
        • Eagles of the Death Metal: „Wanna be in L.A.“ ("Die fremde Familie")
        • Donovan: "Hurdy Gurdy Man" ("Familiengeheimnisse")
        • ZZ Top: La Grange ("Die Draufgänger")
        • Curtis Mayfield: Move on up ("Liebe vergisst man nicht")
        • 10CC: I'm not in love ("Wilsberg: Bullenball")
        • The Zombies: Time of the season ("Nachtschicht: Das tote Mädchen")
        • Tito & Tarantula: After Dark ("Küsse, Schüsse, Rindsrouladen")
        • Fatboy Slim: Praise you ("Akte Golgatha")
        • War: Low Rider ("Kreutzer kommt")
        • Blood Sweat & Tears: Spinning Wheel ("Kreutzer kommt")
        • Cat Power: The Greatest ("Sind denn alle Männer Schweine?")
        • Leonard Cohen: Waiting For A Miracle ("Solange du schliefst")
        • Moloko: Sing It Back ("Vater aus heiterem Himmel")
        • Ronan Keating: Life Is A Rollercoaster ("Inga Lindström – Prinzessin des Herzens")

          MEHR SONGS AUS FERNSEHFILMEN
    • Spenden

      Weil sich von Luft und Fernsehen allein nicht leben lässt.

    • Tittelbach empfiehlt

    • Kalender

    • Top Premieren

      Highlights bis zum 06.02.2012
      1. „Tatort – Kein Entkommen“  (ARD, 05.02.)
      2. „Mord in Ludwigslust“  (ZDF, 06.02.)
      3. „Tsunami – Das Leben danach“  (ZDF, 05.02.)
      4. „Danni Lowinski (Staffel 3)“  (Sat 1, 06.02.)
      5. „Der letzte Bulle (Staffel 3)“  (Sat 1, 06.02.)
    • Top Wiederholungen

      Highlights bis zum 05.02.2012
      1. „Der kalte Himmel“  (WDR, 04.02.)
      2. „Der Bibelcode“  (Sixx, 05.02.)
      3. „Familie macht glücklich“  (ZDF neo, 05.02.)
      4. „Liebe nach Rezept“  (Eins Festival, 05.02.)
      5. „Leroy“  (ZDF-Kultur, 06.02.)
    • Facebook

    • Tittelbach empfiehlt

    • Tittelbach empfiehlt

    • Folge uns über

      FacebookTwitterRss Feed
    • © 2012 Rainer Tittelbach