Herbert Knaup ist Kommissar Kluftinger. Er kommt uns als verfressener Ignorant, als rustikaler Mann vom alten Schlag, der schon mal auf der Toilette des Gastgebers eine Zwischenmahlzeit einlegen muss – und er ist in dieser Rolle (wie auch in "Der Tiger oder Was Frauen lieben") zum Niederknien komisch. Auch als Stasi-Offizier, der zugleich der beste Papi der Welt ist, gibt Knaup in „Jenseits der Mauer“ sein Bestes. Sogar als Sisis Papa macht er eine gute Figur.
Ein Krimineller zum Liebhaben in einer Gangsterballade – das ist eine extreme Gratwanderung. Das muss perfekt geschrieben sein und einer wie Prahl muss es spielen: lakonisch, mit Augenzwinkern, aber auch mit der ganzen Präsenz eines Verbrechers.
Ob nackt hoch zu Elche oder als depressiver Zauberkünstler, vom Stasi-Staat getriezt oder als durchgeknallter Killer die Machtverhältnisse umkehrend – er ist und bleibt einer unserer besten und spielfreudigsten Schauspieler!
Noch eine Spur feinnerviger als der betrügerische Gatte in „Die Freundin der Tochter“ gibt Selge den Familienvater in „Jenseits der Mauer“. Dieser Mann, der der Zwangsadoption seiner Tochter zustimmen muss, um nicht im Stasi-Knast zu landen, kann den Schmerz nicht unterdrücken. Immer wieder bricht es aus ihm heraus. Gelungene hoch emotionale Gratwanderung
„Bei ‚Willkommen zuhause’ war ich ein brodelnder Vulkan, der irgendwann ausbrechen wird, ohne es selbst wahrhaben zu wollen. Bei 'Das Unglück von Überlingen' geht es dagegen um einen Menschen, der die Schuld auf sich nehmen will. Lenders musste ich sehr viel ruhiger, verletzlicher, weicher spielen. Er ist der implosive Typ.“
Koch gelingt es, dieses Monster in Menschengestalt mit einer faszinierenden Ambivalenz auszustatten. Das faustische Prinzip mag die Handlung antreiben, das Faszinosum ist aber die Hauptfigur, ein Mann unter Strom, dem seine perfiden Machtspiele Freude bereiten.
Schweighöfer gibt die andere Seite des öffentlichen, des späten Marcel Reich-Ranicki: den jungen Mann, der überleben muss und für den die Literatur zum Überlebensmittel wird.
Noethen findet für Süden den richtigen Ton, der seinerseits den richtigen Ton findet: Während um ihn herum die Welt im Chaos versinkt, nimmt er sich dem Einzelnen an, spendet Trost, indem er zuhört. Eine ungewöhnliche "Ermittler"-Figur.
Wie Martin Brambach in dieser Nudistenkomödie diesen natürlichen, realistischen Ton trifft, das ist unnachahmlich. Dazu passt auch, dass er nackt so spielt, als ob er angezogen sei. Er ist einer unserer Besten – nur es hat sich noch nicht genügend herumgesprochen!
Verspielt wie die Dialoge und Buchideen von Gregor Edelmann. Ein Schauspieler, dem man gerne zuschaut, zuhört – in sich ruhend, ganz bei sich und zugleich stets alle Antennen auf Empfang.
Schauspieler, die die Top 10 verfehlt haben: