Fromm über das Bild-Konzept bei „Jenseits der Mauer“: „Ich wollte nicht die übliche Ästhetik der historischen Event-Filme machen, wo alles unheimlich glatt und sauber ist, wo selbst noch der Schmutz sauber ist. Ich habe immer den Eindruck: in diesen Filmen lebt nichts und deshalb stimmt es für mich auch nicht. Ich wollte eine „authentische“ filmische Oberfläche schaffen. Wir hatten einen sehr realistischen Ansatz. Wenn ich historisch erzähle, dann will ich auch, dass die Bilder eine größtmögliche Authentizität haben. Ich habe mir sehr viele alte DDR-Filme und Fotos aus der Zeit angeguckt.“
So hat modernes Erzählen im Fernsehen eine Chance! Kein Wort, keine Geste zu viel, Reduktion auf das Wesentliche, in Richtung auf das Unvermeidliche. Bei aller Knappheit übertreibt es Matti Geschonneck aber nicht mit der Informationsdichte. Perfekt!
„Die Vermissten sind oft glücklicher als die, von denen sie vermisst werden“, ist für Graf eine wichtige Erkenntnis der leider bereits abgesetzten ZDF-Reihe. Sein Film entzaubert die „Weltstadt mit Herz“.
In "Haus und Kind" hat Kleinert beredte Bilder für Kohlhaases Tisch-und-Bett-Situationen gefunden und seinen Protagonisten das richtige Spiel zwischen Nähe und Distanz verordnet. Sein „Endspiel“ für Kommissar Tauber ist ein wehmütiger Abgesang, ein Seelendramen im herbstlichen Grau, ein Krisen-Stück im Düster-Look.
Regisseur Fischer sorgte für den sinnlichen Rhythmus eines 43-jährigen Lebens und er gab der festgeschriebenen Biographie etwas Flirrendes. Das Leben der Schauspielerin, die von den Deutschen verfolgt und den Franzosen geliebt wurde, als eine Art Bilderbogen zu präsentieren, der die Schneider-Ikonografie an die Mode und den Stil der jeweiligen Zeit bindet, ist ein gelungener Kunstgriff. Durchweg geglückt ist Fischer auch die Besetzung.
Wagner hat dieser ungewöhnlichen Story auch einen ganz eigenen Erzählton gegeben. Temporeich geht es in die Geschichte. Jedwede narrative Schlacke wird beseitigt. Dichter und informationsgesättigter lässt sich kaum erzählen. Auch in punkto Asynchronität von Bild und Ton und anderen raumzeitlichen Brechungen überschreitet Wagner die Grenzen dessen, was sich das deutsche Fernsehen traut. Und diese Extravaganzen machen Sinn!
Färberböck, der bei seinen Filmen von realen Bildern oder szenischen Vorstellungen ausgeht, über seinen dritten „Bella-Block“-Krimi: „Der Film arbeitet mit der Atmosphäre des Kriminellen. Und immer, wenn ein Mensch von etwas Kriminellem getroffen wird, ist er fassungslos und es herrscht eine Mischung aus Ohnmacht und Angst. Diese Atmosphäre hat die Sprache des Films, sein physisches Erleben, geprägt.“
Fünf Filme in einem Jahr: Ist Andreas Senn ein Vieldreher? "Nein, ich drehe in der Regel zwei Filme pro Jahr. Die Situation ergab sich, weil „Willkommen zuhause“ mehrfach verschoben wurde und „Lilys Geheimnis“ gelegen ist, weil er mit seinem Mauer-Motiv in diesem Herbst offenbar gut platziert schien."
Ein Top-Regisseur meldet sich zurück mit einem Krimi der verschiedensten Tonlagen, der ganz auf seine Titelheldin, Bella Block, zugeschnitten ist. Nach Qualität besetzt, nicht nach großen Namen.
Bei „Pizza und Marmelade“ trifft sich der Anspruch des Regisseurs mit der Wahrnehmung des Kritikers: „Ich wollte einen magischen Realismus schaffen, den Schauspielern Raum für ihre Emotionen lassen, über Blicke, Gesten und Körpersprache ihre inneren Welten erzählen, auch über Requisiten, abseits des gesprochenen Wortes.“
Bemerkenswert waren außerdem Filme von:
Enlens „Süden“-Auftakt ist ein aufs Wesentliche konzentrierter Film, der seine Atmosphäre nicht nur aus den Bildern gewinnt, sondern aus dichten Situationsbeschreibungen. In „Ein Dorf schweigt“ geht er ins Detail und macht so Historie verstehbar.