Wie seine Autoren sucht Gsponer in der Familie nach Spuren des gesellschaftlichen Verfalls. Ob ein Blutbad am Rande der Stadt oder der Horror in Form leerer Rituale und Hilfeschreie – das Zuhause ist nicht mehr sicher. Der Verfall wächst schleichend aus den Vorgärten. Und Gsponers Cast ist immer für eine Überraschung gut.
Huntgeburth ist eine perfekte Schauspielerregisseurin. Ihr gelingt es, das dargestellte Elend lebendig zu gestalten und der realistischen Grundtonlage Poesie und Phantasie beizumischen.
Der Film peitscht einen durch die Schauplätze, die Montage macht Tempo und doch bleibt im Detail alles sehr präzise. Geschickt werden immer wieder Ruhemomente gesetzt. „Mogadischu“ ist der Höhepunkt einer Fernsehästhetik, die 15 Jahre geübt hat, Emotionen mit gesellschaftlicher Relevanz zu koppeln und sinnlich aufzuladen. Auch Richter hat viele Jahre geübt – mit „Bubi Scholz Story“, „Der Tunnel“, „Dresden“. Perfekter wird dieses Fernsehen kaum zu machen sein. Schon in „Das Wunder von Berlin“ zeigte er, dass das so genannte historische Event-Movie gewinnt, wenn es im Stil der heutigen Zeit, dicht und schnell, erzählt wird.
„Die zweite Frau“ ist einer der ehrlichsten und schönsten Filme über die Liebe, die es in den letzten Jahren im Fernsehen zu sehen gab. Die atmosphärische Inszenierung von Hans Steinbichler und die stimmungsvolle Fotografie von Christian Rein, der sich nicht schert um die Konventionen der TV-Ausleuchtung, sondern der mit Farbe und hell/dunkel-Kontrasten einem die Geschichte sinnlich näher bringt, zaubern Szenen voller Poesie auf den Bildschirm.
Seit „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ sah man keinen Film mehr, der mit solcher Könnerschaft, alte Bildwelten und moderne Filmästhetik verbindet. Anders als herkömmliche Kostümfilme, in denen allzu oft die Roben rascheln, hat „Das Gelübde“ etwas ungemein Lebendiges.
Bei aller physischer Reizung und sinnlicher Erkenntnis, die Chris Kraus („Vier Minuten“) dem Zuschauer angedeihen ließ, hielt einen diese „Reise nach China“ einigermaßen auf Distanz. Zugleich implizierte die authentisch direkte Bildsprache und die atmosphärische Kamera von Judith Kaufmann ein Feld irritierender Zwischentöne. Und die assoziative Erzählweise mit ihren zackigen, subjektiven Rückblenden ergab eine rätselhaft verschachtelte Struktur.
„12 heißt: Ich liebe dich“ macht in Sachen DDR-Aufarbeitung da weiter, wo das Grimme-Preis-gekrönte NVA-Drama „An die Grenze“ aufgehört hat. Die DDR einmal nicht als Schwarzweiß-Gemälde. Es ist keine bequeme Wahrheit, nach der dieser Film sucht. Walther setzt trotz Zeitsprüngen auf klare Struktur, sucht den Augen-Blick, vertraut den Schauspielern. Und für „Mord in aller Unschuld“ gilt: Der Plot sagt Krimi, die Tonart ist Komödie, die Dramaturgie hat etwas vom Rhythmus des Alltags und die Bilder vermitteln Münchner Flair.
„Manche Figuren sind ambivalent, bis ins Bösartige hinein“, sagt Kleinert über „Hurenkinder“. Das macht den exquisit inszenierten Film nicht leicht konsumierbar, zumal der Regisseur sich einer moralischen Interpretation und banaler psychologisierender Erklärungen enthält. Beim „Polizeiruf 110“ aus München indes setzt Kleinert auf Wärme und Wehmut und auf die Präsenz seiner Schauspieler. Die Folge: ein Krimi, der lange nachhallt.
„Es geht um die Verunsicherung, die Eltern gegenüber ihren eigenen halbwüchsigen Kindern empfinden, um nachvollziehbare Verstörungen, aber auch um mangelndes Vertrauen“, so die Regisseurin über das TV-Drama „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Ihr Beitrag – im Schulterschluss mit Kamerafrau Judith Kaufmann (die einen Grimme-Preis ebenso verdient gehabt hätte) – ist eine Bildsprache, die den Film in die amerikanische Independent-Erzählkino-Tradition rückt. Ein Hauch von „8 Mile“ weht gelegentlich durch die kühle Kölner Nacht.
„Als Kind hatte man eine Vorstellung von dem, was es bedeuten muss, erwachsen zu sein“, so Stefan Krohmer über seinen Film. „Heute, mit Mitte dreißig, erinnert man sich an die Vorstellung, die man damals hatte, stellt aber fest, dass sich das ganz anders darstellt.“ Er fand es reizvoll, „den Zuschauer dazu einzuladen, mit einer Figur mitzugehen und dann aber diese Figur Dinge tun zu lassen, sie sich gar nicht mehr eignen, eine Identifikationsperson zu sein.“
Bemerkenswert waren außerdem Filme von: