Sawatzki geistert durch diesen „Tatort“, die Haut blass, aschfahl der Teint. Ihre Charlotte Sänger ist mal wieder völlig neben der Spur. Ihr seltsames Rendezvous mit Kokser-Boy Charly passt da bestens ins Bild. Sawatzkis Sänger wird der Krimi-Landschaft fehlen.
Regisseur Friedemann Fromm über die 18-jährige Schauspielerin: „Sie hat eine unglaubliche Kamerapräsenz und sie hat ein Gesicht, das man hat oder eben nicht hat. Es ist ein Gesicht, das sich irrsinnig toll fotografieren lässt. Dann hat sie eine ganz große emotionale Präsenz, lässt sich auch sehr weit ein auf eine Emotionalität einer Figur und sie ist für ihr Alter unglaublich weit und intelligent im Begreifen und Umsetzen einer Figur. Henriette ist eines der größten Talente, die wir haben in diesem Alter.“
In „Lilys Geheimnis“ veredelt Anna Loos Sentimentalität am Rande des Kitschs in kluges Melodram. Mit dem Faible für Pausen, mit authentisch gespielter Nachdenklichkeit und einem Unterton, der bitter klingt und zugleich große Zärtlichkeit ausdrückt, begibt sie sich zu Liefers und Rieke in ein spannendes Beziehungsdreieck. Als Heldin der Freiheit in „Boeseckendorf – Die Nacht, in der ein Dorf verschwand“ ist sie überzeugend – allerdings nur in dem Rahmen, den das eindimensionale historische TV-Movie zulässt.
Krumbiegel glänzt bewusst glanzlos als bodenständige DDR-kritische Ehefrau eines Stasi-Offiziers. Im Interview sagt sie: „Ich finde die Situation bei den Pramanns zuhause sehr authentisch. Natürlich gab es solche Konflikte zwischen Paaren. Natürlich gab es politische Gespräche auch unter Freunden. Ich glaube das ist heute nicht anders: Es kann doch sein in einer Familie, dass einer CDU wählt und einer die Grünen, aber man liebt sich und rennt auch nicht einfach auseinander.“
Sie spielt am Rande des dauerhaften emotionalen Ausnahmezustands: eine Mutter, die ihre Tochter „aufgeben“ musste, aber sich die „Wiedervereinigung“ erhofft, eine Frau, bei der die Traumatisierung ganz dicht unter der angespannten Oberfläche liegt.
Georg Weber schrieb seiner Frau Ulrike Kriener eine passgenaue Rolle, die das absolute Gegenstück ist zu Kommissarin Lucas. Realistisch, nie verzagend oder verbissen, sondern geradeaus und gut aufgelegt, stellt sich Petra Koslowski den Aufgaben des Lebens.
Riemann rettet den in Machart und Komik etwas deutsch bieder anmutenden Film mit ihrer enormen Präsenz und ihrem komischen Talent. Sie spielt schnell, quirlig, das einzig Richtige bei einem solchen Schelmenstück. Dass sich die männliche Hauptfigur in diese Jutta verlieben muss, glaubt man sofort!
Julia Koschitz versucht es gar nicht erst, es mit Sophia Loren aufzunehmen. Die ideale Komödiendarstellerin setzt auf Kulleraugen statt Oberweite, auf Kameradin statt Sexobjekt.
Eine TV-Heldin, wie man sie selten sieht in einer deutschen Eigenproduktion. Lavinia Wilson passt bestens zum mythologischen Subtext Marke „Alien“ und „Abyss“. Da weht ein Hauch Sigourney Weaver durchs Pro-Sieben-U-Boot.
Der Seelen-Blues überfällt in diesem Großstadt-"Tatort" auch Nina Petris zunächst ach so taffe Frankfurter Stararchitektin, deren gespielte Gratwanderung zwischen Erfolgsspur und Eifersucht zu den emotionalen Höhepunkten des Films gehört.