Gypkens kann mit seiner Judith-Hermann-Verfilmung zeigen, dass er der bessere Wim Wenders ist. Nicht nur, weil er seine „sinnvoll“ aufgeladenen Bilder weniger als Vehikel für Botschaften versteht, sondern auch weil die Geschichten seines Episodenfilms stimmig ineinander verschachtelt sind und er über die Short-Cuts-Dramaturgie die "Schwere" der einzelnen Situationen immer wieder aufbricht.
Eine zu „unerhörte“ Geschichte, um aus ihr einen guten Film zu machen? Till Endemann und Don Bohlinger ist es dennoch gelungen. Es ist gelungen, weil sie Position beziehen und doch keine wohlfeile Abrechnung liefern. Der Film analysiert, zeigt Mängel im System, deutet an, wie die zweite Tragödie hätte verhindert werden können, ohne die Funktionsträger zu Bösewichtern zu degradieren.
Bonny und Ebelt geben keine eindeutigen Erklärungen. Er deutet die Wurzeln der Gewalt nur an: Da ist Selbsthass im Spiel; auch die fehlende Anerkennung der erwachsenen Tochter durch den Vater sucht offensichtlich ein Ventil. Dass der Mann kein Mensch ist, der das Leben zupackend meistert, ist auch ein Grund für die körperlichen Kollisionen.