„Die zweite Frau“ ist einer der ehrlichsten und schönsten Filme über die Liebe, die es in den letzten Jahren im Fernsehen zu sehen gab. Die atmosphärische Inszenierung von Hans Steinbichler und die stimmungsvolle Fotografie von Christian Rein, der sich nicht schert um die Konventionen der TV-Ausleuchtung, sondern der mit Farbe und hell/dunkel-Kontrasten einem die Geschichte sinnlich näher bringt, zaubern Szenen voller Poesie auf den Bildschirm.
„Man muss nicht jeden Abend einen Film über Arbeitslosigkeit zeigen, aber ich wünsche mir, dass es in den Filmen mehr nach dem wirklichen Leben riecht“, sagt Bernd Böhlich. Der zweifache Grimme-Preisträger hatte den ganzen TV-Hochglanz satt und investierte eine Million Euro und sehr viel Zeit in seinen ersten Kinofilm. Ein Beispiel, das ruhig Schule machen könnte!
Meletzky hat mit einem konzentrierten Buch, mit Pfaff und vor allem Maria Kwiatkowsky alle Trümpfe auf ihrer Seite. Sie tut gut daran, diese durch ihre Inszenierung nicht zu stören.
Christine Hartmann setzte auf einen unaufdringlichen Realismus statt auf elaborierte Ästhetik, verließ sich auf gute Darsteller bis in die Kleinstrollen hinein und auf abwechslungsreiche Locations.
Grimme-Preisträger Thomas Freundner hat die eher durchschnittliche Vorlage mit der sichtbaren Lust an der Aktion, mit Humor und mit vielen kleinen emotionalen Zwischentönen angereichert. Dass er bei der Besetzung auf die großen Namen verzichtete, ist kein Manko.