Wie erzählt man über Jahre, ohne dass der Zuschauer die Bindung zur Geschichte verliert? Eine der schwersten filmdramaturgischen Künste bewältigen die Autoren vorbildlich. Ergebnis: nicht bruchlos, nicht glatt und doch ein homogenes Ganzes.
„Ein kleines Sittenbild Deutschlands kurz nach der Jahrtausendwende“, verspricht der Autor. „Eine Beobachtung über das Leben in den Zeiten einer tief stehenden Kultursonne.“ Recht hat er. Hinzu kommen beredte Helden, denen er Dialoge zum Zungeschnalzen in den Mund legt. Wann gab’s zuletzt intellektuelle Helden im Fernsehen?
Keine einfache Vorgabe: der Film ist aus zwei Perspektiven über 14 Jahre erzählt. Mal steht das stille Leid, die stumme Hilflosigkeit der Opfereltern im Fokus, mal ist es der Mörder, der schuldbeladen durchs Leben schleicht. Daraus entsteht ein Mehrwert für den geneigten Zuschauer, von dem eine aktivere Beteiligung gefordert wird.
Dem Drehbuchautor gelang es, durch kluge Reduktion der Handlung und das Herauskitzeln der psychologischen Bedrohung einen steten Spannungsfluss zu erzeugen.
Statt den beliebten Satz „Sie könnte deine Tochter sein“ ins Drehbuch zu schreiben, machte Funder lieber die Tochter zur Freundin der Geliebten des Vaters. Das ist äußerst wirkungsvoll. Der Zuschauer kann sein Mehrwissen genießen – und auf den Gesichtern nach dem suchen, was sich innen drinnen gerade abspielen mag.