Wer plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist, muss nicht entführt oder einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein. Anis Spannung zielt ins menschlich Tiefgründige, auch ins Gesellschaftskritische, umkreist Lebensentwürfe, tiefe Wunden.
Drehbuchautor Michael Gutmann sah seine Hauptaufgabe darin, „eine Leitmelodie zu entwickeln, die sich trotz Zeitsprüngen und Ortswechseln durch die ganze Geschichte zieht und verhindert, dass sie in Episoden zerfällt“. Das ist ihm großartig gelungen.
Es muss nicht immer Mord sein am Samstagabend. Stimmungsvolle Einführung des Personals. So tief zum Start ließen nicht einmal „Sperling“ oder „Bloch“ blicken.
Bestes Handwerk: eine Egomanin als Hauptfigur, falsche Fährten, eine an Wendungen reiche Handlung vervollständigen das Bild eines Genrefilms, der eine ungewöhnliche Geschichte jenseits gängiger Muster erzählt und zugleich Charakterstudie ist.
In ausschnitthaften Szenen und präzisen Dialogen zeigt sie den Niedergang einer Familie – ohne Schuldzuweisung, ohne moralische Verurteilung, ohne einfache Lösung.