Diese „Seewolf“-Verfilmung hat viele Stärken, doch ihr größtes Pfund heißt Sebastian Koch. Ihm gelingt es, dieses Monster in Menschengestalt, „dieses hochintelligente Tier, welches genau weiß, wo es eine Gefahr zu erwarten hat“ (Koch), mit einer faszinierenden Ambivalenz auszustatten. Das faustische Prinzip mag die Handlung antreiben, das Faszinosum ist aber die Hauptfigur, ein Mann unter Strom, dem seine perfiden Macht-Spielchen Freude bereiten. Koch spielt ihn lustvoller, extrovertierter, ja sogar physischer als der ehemalige Profi-Sportler Thomas Kretschmann. Gerade noch Unmensch, wenig später charismatischer Freigeist. Larsen ist brutal, aber kein Unsympath.
Selges Tauber schleicht zu Beginn im Kapuzenmantel durch den Wald wie Gevatter Tod. Dann wird er befreit aus seiner Lethargie, lebt auf und hat wieder Spaß an der Arbeit. Doch nicht lange. Der fehlende Zettel in Taubers Glückskeks gibt den Ton an in dieser stimmungsvollen Ode an die Einsamkeit. Selge hat in seinem Ausstand extrem viele Nuancen seines Charakters zu spielen. Er trägt „Endspiel“ einmal mehr im Alleingang.
„Er ist jemand, der bei Allem seinen Witz, Charme und Humor behält, er ist ein warmherziger, empathischer Mensch, jemand, der Lust am Leben und an Frauen hat“, charakterisiert Drehbuchautor Gregor Edelmann den Polizeipsychologen Flemming. Und genau so spielt Finzi seinen Klugscheißer: mit großer Lust am Spiel – entwaffnend!
Trotz Ausnahmezustand im Münchner „Polizeiruf“ behält Hubes Kommissar die Ruhe. „Klick gemacht“ deutet an, was aus Friedl Papen (in Kombination mit Uli Steiger) hätte werden können. Eine interessante, geschichtsträchtige Figur, in die viel vom bayerischen Urgestein Jörg Hube einfließt. Die ideale Voraussetzung für stimmiges serielles Erzählen.
Liefers, einer, der gerne das Spielen spielt, gelingt es, den traurigen Koch zum Leben zu erwecken, der so bizarr wirkte wie viele seiner kulinarischen Kreationen. Hatte jener manieristisch agierende Narziss lange Zeit etwas von einer Kunstfigur, so verwandelt er sich gegen Ende in eine bemitleidenswerte Kreatur – und der Nostalgie-Spaß wird Drama.
Max Färberböck über seinen männlichen Hauptdarsteller: „Das Casting ging los und drei Tage später saß ich mit ihm schon an einem Tisch. Er hat schnell eine sehr starke Intuition für diese Figur gekriegt. Und es ist keine leichte Figur! Diese unglaubliche Ambivalenz: da ist diese schmerzvolle Einsamkeit, die geradezu aus ihm schreit, und diese latente Gewaltbereitschaft, aber auch der Versuch, ein normaler Mensch zu sein.“
Keine Hauptrolle zwar, aber eine sehr vielschichtige, tragische Figur. Kretschmann spielt Harry Meyen – eine undankbare Aufgabe. Aber er behauptet sich bestens gegenüber der übermächtigen Titelfigur und der herausragenden Hauptdarstellerin Jessica Schwarz.
Lange sah man Lauterbach nicht mehr so überzeugend – und das als Israeli. „Mein Kommissar Ochajon ist ein aus Marokko stammender Jude. Und ich bin ja kein nordischer Typ. Der israelische Produzent sagte jedenfalls, als er mich das erste Mal auf meiner Webseite sah: ‚Der sieht ja aus wie einer von uns’“, so Lauterbach. Seine Figur ist eine Kreation der Schriftstellerin Batya Gur. „Wir fanden die Figur stimmig, wir lehnen uns weitgehend an sie an. Ochajon ist kein Hans Dampf in allen Gassen, sondern ein nachdenklich bis melancholisch wirkender, wacher, besonnener Mensch.“
Barnaby Metschurat ("KDD") ist nicht nur Schwarm vieler (vor allem junger) Frauen, sondern er ist auch ein Darsteller, dem man die Lust am Spielen sichtlich anmerkt. Über die Präsenz von Metschurat, der ungewohnte Nuancen zwischen Naivität und Euphorie, zwischen kindlicher Freude und verkopftem Idealismus in "Lenz" zum Ausdruck bringt, wird der Zuschauer hinein gerissen in die rätselhaft strukturierte Geschichte.
Der Münchner-Volkstheater-Schauspieler Gabriel Raab mit seinem verträumten Blick ist die perfekte Besetzung für jenen Luis, der sich sein Hirn martert über den Tod der Mutter. Es ist Raabs erste Fernsehrolle. Seine Szenen mit Rosalie Thomass besitzen bei aller Problemschwere eine entwaffnende Natürlichkeit und ungemeine Frische.