Berger spielt Böhm so, wie man sie noch nicht gesehen hat: eine graue Büromaus, die mit dem Satz „Der Chef hat immer Recht“ groß und alt geworden ist. „Der vorgebeugte Rücken, der ängstliche Gang, die Scheu, ihre Gesprächspartner anzusehen, dieser Wunsch, am besten nicht wahrgenommen zu werden – diese Eigenschaften habe ich ihr zugeschrieben“, sagt die Schauspielerin.
„Sie hüllt sich in einen Kokon, um nicht mehr verletzlich zu sein. Mit ihrer Liebe ist sie in eine Art Winterschlaf verfallen“, so beschreibt Nadja Uhl ihre Tanja, die von ihrem ermordeten Mann gleich doppelt verlassen wird, einmal physisch, einmal seelisch. „Der Spreewald wirkt ähnlich entrückt wie Tanja“, findet Uhl. „Er hat etwas Verwunschenes, Zeitloses, fast Bleiernes.“
Sie macht sich wieder einmal gut als Frau, die für sich und eine gute Sache kämpft. Bodenbender liebt es bodenständig. Man nimmt ihr die einfache Hausfrau ab. Und obwohl der Film mit den Mitteln der Spannung und dem Muster „David gegen Goliath“ arbeitet, zieht Bodenbender ihre Figur immer wieder in den Alltag zurück. Noch in den kleinsten Gesten bleibt sie die Frau von nebenan, die sich erstmals etwas traut. Sie nutzt ihr blendendes Äußeres nicht, um die Heldin heraushängen zu lassen. Das ist die Stärke von Silke Bodenbender, was letztlich auch die Stärke des Films ist.
Sie macht aus ihrer Ira Engel mehr als ein Vorzimmer-Biest. Sie ist Spiegel für die gestrige Hauptfigur. Wilson legt ihre Chefsekretärin an als moderne Frau, die nicht das Glück hatte, vor 30 Jahren ins Berufsleben einzusteigen, als eine Frau, die sich ständig überfordert, die sich aufreibt zwischen Job und Kind. Korrekt und konzentriert, fahrig und nervös, nett und liebevoll, egoistisch und stutenbissig - Wilson darf alles zeigen.
Wenn Blicke schneiden können: dieses Endspiel einer Ehe war der Höhepunkt von Odenthals Jubiläums-„Tatort“ und Harfouch als zickiger Eisschrank, der einen guten Grund hat, weit unter Betriebstemperatur zu laufen, zaubert mit dieser Nebenrolle höchst nachhaltige Momente.
Diese Zerbrechlichkeit, diese Porzellanfigur-Physiognomie, diese Fremdheit, die sie in ihre Züge zu legen vermag – Franziska Petris Gesicht nimmt einen 80 Minuten lang gefangen in Matthias Luthardts zweitem Langfilm, in dem sonst wenig passiert.
Die Polin spielt mit deutlicher Maske, aber nicht zu deutlichen Gesten eine junge allein erziehende Frau, die Stammgast im Lübecker Frauenhaus ist. Ihre Angst sitzt tief im Innern. Ziolkowska spielt das mit großer Intensität, zugleich leise – und ihr ist die Anteilnahme des Zuschauers gewiss.
Mit dem Namen wird sie wohl keine übergroße Karriere machen, aber mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht und ihrer physischen Präsenz hätte der Theaterschauspielerin schon längst der „Durchbruch“ im Kino und im Fernsehen gelingen müssen.
Die für den Qualitätsfilm Unabkömmliche blieb einem im Oktober gleich doppelt gut in Erinnerung. Diese Frau ist spielwütig und einfach immer überzeugend.
Sie ist in „Vulkan“ die Frau für das (Melo-)Dramatische und sie hat ein, zwei richtig starke Szenen mit Pasquale Aleardi.