„Der Film erzählt vom Abschiednehmen – in Winterbildern einer sonst sommerlich, touristisch-fröhlichen Landschaft, die geheimnisvoll, beinahe märchenhaft vor uns liegt“, sagt Kirchner. Der Film besitzt eine komplexe Erzählstruktur: Nach dem Auffinden der Leiche, sieht man den Toten an der Schreibmaschine sitzen. Parallel zur aktuellen Handlung schreibt er als Erzähler seinen Weg von der Wende bis zum Tag der Tat fort. Die Stärke der Erinnerung ist mehr als eine Erzähltechnik, die den Wechsel der Zeiten Atmosphäre stiftend einsetzt. Die Fixierung auf die übermächtige Vergangenheit, die durch ein Geflecht von Rückblenden visualisiert wird, ist zugleich auch das augenscheinlichste Wesensmerkmal von Kirchners Hauptfiguren.
„Unsere Eliten müssen sich der Realität stellen. Sie leben oft in einer abgeschlossenen Welt und bekommen nicht mehr mit, wie die Lebenswirklichkeit ihrer eigenen Belegschaft aussieht“, so die Autorin. Ihr Drehbuch ist gut recherchiert, klug strukturiert und es kaut dem Zuschauer nicht etwas vor, sondern es appelliert auch an die Moral des Einzelnen.
Das in Krimis oft ausufernde Ermittlungskleinklein verlegt Ehry ins Off. So bleibt ihm Raum, um das Thema nicht nur als Krimi-Effekt auszuschlachten, sondern in seiner Vielschichtigkeit auszuloten, indem er eine gewalttätige Beziehung in seiner typischen Entwicklung bis zum bitteren Ende ablaufen lässt. Konzentration auf das Wesentliche.
„Ob Gewerkschafter oder Politiker oder wir selber. Wir haben immer die Wahl, ob wir uns moralisch verhalten, oder um der Macht oder des Vorteils Willen unseren Begriff der Moral dehnen“, so Jeltsch. „Gerade in der durch Egoismus entstandenen Krise ist gut zu beobachten, wie sich manche ‚Verantworter’ auf das ‚Gesetz’ zurückziehen, um der Moral zu entgehen.“ Eine ganz ähnliche Botschaft wie die von Dorothee Schön.
Ein guter Stoff, der alle Register zieht zwischen Alltagsdrama und „Erin-Brockovich“-Muster, eine klare, aber nie simple Dramaturgie, eine Hauptfigur, die einen mitnimmt in eine aufregende Geschichte und mit der es sich gut mitfiebern lässt.