
Rock- & Popmusik ist seit 40 Jahren mein Steckenpferd. Mit sieben Jahren sah ich den ersten „Beat-Club“. Bereits die 60er Jahre haben ihren „Spirit“ meiner kindlichen Seele aufgedrückt. Mir gefielen die Schlaghosen, die langen Haaren und später auch die kurzen Röcke der Mädels. Beatles, Stones, Beach Boys, Kinks, Who und Small Faces waren die ersten Bands, die mich längerfristig beeindruckten. So richtig rockmusikalisch sozialisiert wurde ich aber erst in den 70er Jahren. Rod Stewart, Jethro Tull, Chicago, CCS, Led Zeppelin, T. Rex, David Bowie, Lou Reed und Roxy Music waren meine Helden, bis Pubrock, Rock’n’Roll-Revival, Punk und New Wave noch extremer die „Sex & Drugs & Rock & Roll“-Wurzeln beschworen. In den 80ern reaktivierte ich, nachdem mir die Elektropopper nach drei, vier Jahren neoncoolen Synthie-Gleichklangs langsam die Karottenjeans auszogen, die Soul- und Funk-Klassiker und freundete mich mit den ersten HipHop-Breaks an. So schlecht wie ihr Ruf sind die 80er Jahre dennoch popmusikalisch nicht. „Tainted Love“, „Let’s Groove“, „Sledgehammer“, ohne Fine Young Cannibals, Style Council, Talking Heads oder B-52’s dürfen auf keiner Party fehlen. In den Neunzigern ließen mich TripHop-Bands wie Massive Attack, Morcheeba oder US3 aufhorchen, aber auch Brit-Pop à la Oasis oder Pulp. Weitgehend kalt ließen mich die stupiden Techno- und Club-Sounds egozentrischer DJs, die sich plötzlich als Superstars fühlten. Rot hör(t)e ich beim Ibiza-Muzak und Ballermann-Bumms. Das letzte Jahrzehnt gehört dem Independent-Pop, dem funky grundierten R’n’B (ohne Arschgewackel) und Revivals, die man sich gefallen lassen kann: der Elektro-Pop war selten so ohrwurmig, Alternative-Folk und Retro-Soul, Americana und Girlie-Beat haben eine Klasse erreicht, die die Erinnerung an die alten Zeiten gelegentlich verblassen lässt.

Warum nicht aus all dem Guten das Beste zusammenmixen für ein großes Fest auf der Tanzdiele? Das soll kein Hit-Mix werden, der den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht und damit das Mittelmaß findet, so ein Abend der Tanzwut, wie ich ihn mir vorstelle, ist immer auch eine Verneigung vor einem halben Jahrhundert Popkultur. Elvis’ Hüftschwung fegte die altbackenen Schlagercombos vom Tanzparkett. Mit Mambo und Rock & Roll beginnt für mich der Rhythmus, bei dem ich mit muss. Meine Aufgabe als DJ sehe ich darin, die mitreißenden Beats, die betörenden Hooklines und Gänsehaut-Hymnen, markante Stimmen, funkige Gitarrenriffs, sexy-Saxofon-Soli oder zu Unrecht vergessene Hits aufzuspüren, diese oft kleinen Momente, die für große Emotionen gut sind.
Was gefällt, ist nicht unabhängig vom Alter. Dennoch glaube ich, es gibt für tanzfreudige aufgeklärte Popkonsumenten durchaus einen Kanon des „guten Geschmacks“. Was ich eigentlich damit nur sagen will: Man sollte seinen Speck nicht unter Niveau schütteln.

Alles kommt wieder. Indie-Rocker entwickeln gern ein Faible für die psychedelischen 60er Jahre, der Mainstream-Elektro-Pop sucht nach Referenzspuren in den Achtzigern, der bessere R’n’B-Dance-Beat betont seine Soul-Funk-Disco-Reggae-Wurzeln. Für Partys ist das ideal. Man kann sich mit Musikstilen förmlich durch die Jahrzehnte mixen. Mir macht es besonders Spaß, ähnliche Sounds in den unterschiedlichen Jahrzehnten aufzustöbern. Jimi Hendrix und Black Eyed Peas – wie soll das gehen?! Ganz einfach: von "Crosstown Traffic" über "A Real Mother For Ya" von Johnny Guitar Watson und "Family Affair" von Sly Stone hin zu Freak Power’s "Turn On, Tune In, Cop Out". Vielleicht noch ein funkiger Prince-Titel dazwischen? Danach könnte man die neuere Tanzrunde einläuten mit Madcon’s "Beggin" ab durch die Mitte zu "Crazy" und schließlich zu den Black Eyed Peas - und plötzlich schwimmt man mitten auf dem Mainstream, ohne dass es wehtut.
Es muss nicht immer Lady Gaga sein und auf „regnende Männer“ kann man auch mal gut verzichten, wenn es Estelle oder Christina Aguilera gibt oder wenn die Blaupausen für diesen Sound aus grauer Vorzeit wie Madonnas "Into The Groove", Diana Ross’ Disco-Klopper "Upside down" oder die Eurythmics nach wie vor sehr viel sexier sind. Schneisen durch die Rock- und Popgeschichte zu schlagen, macht großen Spaß. Im Wechsel liegt der Zauber. Popmusik ist Bewegung. Der Rhythmus generiert Flow, über den Wall of Sound geht es unmerklich in den Zeittunnel und in unser Unterbewusstes. Ein, zwei wohl bekannte Takte und unsere Körper rufen vor Jahren erprobte Bewegungsabläufe wieder ab: die "Let’s Dance"-Drehung, die wild wippenden Kreiselsprünge zu „Kiss“ von Prince, die Hüpfburgausgelassenheit zu "Come On, Eileen", das coole Grooven zu „Cantaloop“ oder die Entertainer-liken Tanzschritte zu "Billie Jean" oder das Head Banging zur Schweinegitarre von "Beat It". Dass ich selber für mein Leben gerne tanze (so erklärt sich „Dancing DJ Roger“), dürfte nicht die schlechteste Voraussetzung für ein stilvolles Saturday Night Fever sein.
Apropos Stil: da fallen mir Klassiker ein wie "My Baby Just Cares For Me", "Respect", "I Got You (I Feel Good)", "Hit The Road Jack" oder "Son Of A Preacher Man". Auch keine Party ohne Mambo, Bossa Nova, Salsa, French Pop, Latin oder Rock & Roll. Aber auch die aktuellen Charts sind immer für eine Überraschung gut. Irgendein Ohrwurm ist immer dabei, der mit dem Besten vom Besten mithalten kann: Peter Fox, Mando Diao, Frank Ferdinand, Arctic Monkeys, Kasabian, Emiliana Torrini, Gossip, Rihanna, Duffy, Kylie, La Roux, M.I.A., Ladyhawke, VV Brown, Jamie T oder Sharon Jones & The Dap-Kings sei Dank.
Doch die Zutaten sind nicht alles. Ein Tanzabend ist ein Fest. Sounds und Seelen, Musik- und Lebensgeschichten fließen ineinander. Mein Ehrgeiz ist es, die Geschmäcker und die kollektiven Gefühlslagen der Tänzer zu erkennen und aus der vielschichtigen Fülle der populären Musik das dazu Passende zu schöpfen. Dabei geht es um das Gespür für Stil und Zwischentöne, für Spannungen und Brechungen. Ein DJ ist ein Dramaturg. Den Mainstream im Blut, versteht er es, im Verlauf des Abends auch abseitige Tanz-Perlen einzubinden. Und er lässt einen Abend niemals nur laufen...
Der doppelte Crossover-Mix: Zurück in die Zukunft
Kopfüber durch die Jahrzehnte und die verschiedenen Stile. Tanzen auf das Beste aus 50 Jahren Rock- und Popgeschichte.
Die Themen- & Motto-Party: ein Jahrzehnt gibt den Ton an
Die Geburtstagsparty: von 33 bis 66 Jahre
Für jede Lebensphase der passende Musik- und Tanz-Mix.
Runden mit klassischen Gesellschaftstänzen sind möglich.

Soundtrack Of My Life









