München, eine beschauliche Wohnanlage, Menschen wie du und ich – scheinbar. Es ist ein Blicken, ein Lauern, ein Verstellen. In diesen Mikrokosmos dringt Kommissar Polonius Fischer ein, selbst ein komischer Heiliger. Vor Jahren noch war er Mönch. Und so ermittelt er auch: priesterlich. Zischler: „Er bringt die Anderen durch sein Schweigen zum Reden.“ mehr
Sie hat Charme und ein hinreißendes Lächeln, doch alle schauen nur auf ihre Fettpölsterchen. „Siehst du mich?“ ist ein Film über einen Menschen und seinen Wunsch nach Anerkennung. Er zeigt die andere Seite von Beauty-Industrie und Schönheitschirurgie, von Werbung und Videoclips. Lebenskluges Selbstfindungsdrama, das sich konsequenterweise nicht schert um coole Ästhetik & raffinierte Dramaturgie. Ein Film, der ganz nah bei seinen Figuren ist. mehr
„Abschied von Hannah“ aus der „Liebe am Fjord“-Reihe ist ein Film über Verlust, über Trauer und die verschiedenen Arten, mit dem Tod umzugehen. Die Genauigkeit der Erzählung, die Stimmigkeit der Charaktere und die daraus resultierende Tiefe der Gefühle machen ihn zu einem wahrhaftigen, feinsinnigen Drama. Matthias Habich kann man nicht oft genug sehen. Auch die weniger bekannten Schauspieler überzeugen. Zwischentonreich inszeniert! Hier stimmt jedes Wort, jeder Augenaufschlag, jede (Nicht-)Berührung, jeder Kamerablick. mehr
Die Geschichte von „Ein Fall von Liebe“ ist voll und ganz auf Francis Fulton-Smith zugeschnitten, der als Leipziger Staranwalt eine schon oft gesehene Metamorphose durchmacht. Das ist gut gemeint, dramaturgisch schlicht gestrickt, aber vorzüglich von Papavassiliou filmisch umgesetzt. Ein unterhaltsames sozialromantisches TV-Dramolett. mehr
Menschen, die sich beobachten, belauern, sich nicht die Wahrheit sagen. Der dritte ZDF-Spreewaldkrimi beginnt als atmosphärisches Puzzle aus zehn Figuren und mehreren Geschichten , die nach und nach zusammengfügt werden. Geschichten um Schuld und Sühne, um einen Vater-Sohn-Konflikt, der nach Versöhnung schreit. Das ist komplex, aber nie kompliziert und mit Uwe Kockisch gibt es einen, der den Zuschauer emotional mit nimmt auf dem Weg durch diesen Film. Ein echtes Ensemble-Stück mit dem Hang zu einer offenen "realistischen" Dramaturgie. Ein Fernsehfilm, der zum genauen Hinsehen verführt. mehr
„Alles für meine Tochter“ erzählt eine ungewöhnliche Adoptionsgeschichte. Die biologische Mutter schleicht sich in das Leben ihrer Tochter. Eine Zerreißprobe zunächst für sie, dann für das Mädchen, aber auch die Adoptiveltern haben ihr Päckchen zu tragen. Ein faszinierender Film. Ann-Kathrin Kramer sah man lange nicht mehr so gut und Alicia von Rittberg bekräftigt ihre Stellung als Jungtalent des Jahres. Großartig besetzt auch die Nebenrollen. Da ist lange nichts mit Wohlfühlen in diesem Degeto-Kleinod über das zarte Gewächs Vertrauen, die heilende Kraft von Kommunikation und die zersetzende Kraft der Sprachlosigkeit! mehr
Gerade hatte er noch mit seiner Anwältin einen Freispruch gefeiert, nun liegt er in seinem Blute, der Leipzider Baulöwe – und die Verdächtigen stehen wenig später Schlange. Ein Krimi aus einer anderer Zeit mit einem Ermittler der alten Schule. „Mal unter uns: Haben Sie Ludwig umgebracht?“ Solche Sätze wird man wohl nicht vermissen, wenn Kommissar Ehrlicher demnächste seine Dienstmarke abgibt. Unauffällig, solide inszeniert, aber auch behäbig. mehr
Johanna Herz beim Klassentreffen. Danach der Schock: Eine der Freundinnen hat offenbar ihren Sohn umgebracht. Die Kommissarin kann es nicht glauben. Andreas Kleinert hat die Figur für Imogen Kogge endlich erschlossen. Konzentriertes, stimmungsvolles Krimidrama mit einem Grauschleier auf den Seelen & einem ästhetischen Realismus der Extraklasse. mehr
Als Vorlage zu Niki Steins Film mit viel Zeitgeist-Folklore diente die Lebensgeschichte von Michael Gartenschläger, der 1976 bei dem Versuch ums Leben kam, eine Selbstschussanlage, deren Existenz die DDR-Führung lange Zeit bestritten hatte, zu demontieren. mehr
Hat Kommissar Batic tatsächlich vergessen, wer er ist? Wird er verfolgt? Simuliert er oder suchen korrupte Kollegen nur nach einem Sündenbock? Dieser spannende "Tatort" wandelt auf den Spuren amerikanischer Vorbilder – und will einem nicht die Welt erklären. mehr
In Barbara Lichtblaus Ehe herrscht Alltagsgrau. Von mehr, als dass diese Frau langsam zu sich findet, erzählt dieses TV-Movie nicht. Die Story ein dramaturgischer & ideologischer Offenbarungseid. Unterschichtfernsehen meets TV-Movie. Bei Sat 1 dachte man offenbar, Allzweckwaffe Elena Uhlig & Annette Frier nach „Danni Lowinski“ seien Selbstläufer. mehr
Der „Tatort: Heimatfront“ ist ein Männer-Krimi. Das Thema gibt die Grundtonlage vor: Die Diskrepanz zwischen den Rationalisierungen der jungen Männer und den unterdrückten Emotionen, der Wut und Verzweiflung, ist der dramatische Kern der Geschichte. Die Schauspieler, allen voran Constantin von Jascheroff und Ludwig Trepte, erwecken das tragische Dilemma zwar zum Leben, dem Film, der sich auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten bewegt, fehlt aber ein erzählerisches Korrektiv zu seinen Dolchstoßlegenden. Die schlichten Kommissarsgemüter erfüllen diese Funktion nur unzureichend. mehr
„Na sauber, ein Mongo“, rutscht es Tauber zu Beginn der Ermittlungen heraus, als er das Mädchen sieht, dessen Schicksal mit dem Fall mehr zu tun haben wird, als er zunächst annimmt. Die Mutter jenes 19-jährigen Mädchens mit Down-Syndrom ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Tochter Rosi ist die Einzige, die etwas gesehen haben könnte. Wendungsreiches, hoch sensibles Krimi-Familiendrama von Andreas Kleinert. mehr
Die Sekretärin eines Bankdirektors ist erschlagen worden – und fünf Menschen kommen als Täter in Frage. „Liebe und Tod“ aus der ZDF-Reihe „Das Duo“ ist ein unterhaltsamer, gut gebauter Whodunit-Krimi voller Referenzspuren, spielerischer, krimineller und sexueller Energie. Und dann ist auch noch Kommissarin Clara Hertz schwanger. Fazit: dichter, klar und flott erzählter Krimi mit starkem Finale, spannenden Charakteren und einer mal eben kurz auftrumpfenden Nina Kunzendorf. Da stört die aufgesetzte Privatgeschichte kaum. mehr
Wann ist ein Mann ein Mann? Hans Mittelstädt alias Jan Josef Liefers weiß das schon lange nicht mehr. Er weiß nur, er will nicht zulassen, dass seine Ex ihm seinen Sohn entzieht. Drehbuchautorin Silke Zertz hat viel Amüsantes zum Thema „Männer in der Krise“ aus dem Zettelkasten gezogen. Trotz wenig Fallhöhe ist mit dem männerbewegten "Knuddelbär" & Sympathieträger Liefers der Drops gelutscht. Da wird die härteste Feministin weich. Komödie darf alles – nur nicht langweilen. Das beherzigt der Film und legt ein prima Tempo vor. mehr
„Ich konnte es am Anfang kaum ertragen, dass sie Eva Blond heißt“, sagt Corinna Harfouch vier Jahre nach dem Start der außergewöhnlichen Sat-1-Krimireihe. In „Der sechste Sinn“, droht die Figur verrückt zu werden. Wirklichkeit und Wahnsinn verschmelzen zu einer ungewöhnlichen Krimi-Mystery-Drama-Melange. Sascha Arango schrieb das abgefahrene Drehbuch und Radikal-Ästhet Matthias Glasner griff mal wieder tief in die Trickkiste. mehr
Als ihre Nachbarn 1943 von der SS zur Deportation abgeholt werden, entschließt sich die Jüdin Anna, mit ihrem Sohn in den Untergrund zu gehen. Mit dem Mut der Verzweiflung und mit "stillen Helfern" überleben sie die zweijährige Odyssee durch Berlin. Der Junge ist der Schauspieler Michael Degen. Weil Baier den Menschen näher rückt, die Todesangst in den Gesichtern zeigt, statt Bomben fallen zu lassen, geht einem dieser Film besonders nahe. mehr
Wolke Hegenbarth und Felix Eitner wecken hohe Erwartungen, die Autoren Michael Baier und Jürgen Werner eher nicht. Letztere bestimmen die Tonart dieser heimatlichen Krimikomödie aus dem Harz: die Muster sind allzu bekannt, uninspiriert umgesetzt und das Rest-Team bleibt blass. Mit Miss Marple oder Adelheid Möbius kann diese Klara nicht mithalten. mehr
Vier Polizisten haben bei einem Auslandseinsatz versagt. Sie wollen ihren Fehler, der 14 Afrika-Flüchtlingen das Leben kostete, vertuschen. Doch die Rache naht. Die komplexe Weltpolitik zieht ins überschaubare Bremen ein. Themen wie die Flüchtlingsproblematik und die Abschottungspolitik der EU werden in „Der illegale Tod“ geschickt in den Krimi integriert. Perfekt ausgewogene Dramaturgie, präzise Regie, Lürsen war einem selten so nah. mehr
Sie kennen sich kaum und wollen schon heiraten – traditionell kroatisch. Für die deutschen Brauteltern ein Schlag ins Gesicht der Emanzipation. Es gibt noch mehr Gründe, die Hochzeit abzublasen. „Rat mal, wer zur Hochzeit kommt“ ist eine Heiratskomödie, in der anfangs ethnische Gegensätze und tief verwurzelte kulturelle Vorurteile den Ton angeben. Später setzt sich die Romantik gegenüber der Ironie durch. Trotz kleiner Tonlagen- und Dramaturgie-Problemen ein gelungener, telegener Spaß – getragen vom großartigen Ensemble. mehr