Die pubertierende Maren erfährt, dass ihr Vater bereits vor ein paar Jahren sein Geschlecht gewechselt hat. Sie besucht ihn und es kommt langsam zur Annäherung der beiden – nicht zuletzt auch dadurch, dass sie sich in einer ähnlichen Situation befinden: auch „Transpapa“ ist noch nicht ganz im neuen Körper angekommen, steckt quasi auch noch in der Pubertät. Sappelt & Striesow spielen das mit Hang zum beredten Schweigen und Sarah Judith Mettke gelingt es, wunderbar die Waage zu halten zwischen großem Ernst & trockener Komik. mehr
Ein Findelkind vor der Wohnungstür lässt zwei benachbarte Stinkstiefel die Zankerei vergessen. Fritz Wepper in seiner Paraderolle. Dafür, wie überraschungsarm „Baby frei Haus“ ist, besitzt diese boulevardeske Komödie einen überraschend hohen Unterhaltungswert. mehr
Der Film, der aussieht wie ein vom Finanzamt gesponserter Werbefilm für Köln und dessen Umland, entwickelt sich zu einer naiven Anleitung zum Glücklichsein. Ein krankes Pferd, eine 14-jährige Waise, ein windiger Steuerberater und das liebe Geld sind die Stolpersteine auf dem Weg zum Happy End. Suzanne von Borsody & Peter Sattmann machen es erträglich! mehr
Zum Auftakt gibt’s noch Starthilfe vom oberbayerischen Urgestein aus Bad Tölz, danach muss das neue Ermittler-Duo aus dem Alpenvorland alleine klar kommen und emanzipiert sich von Fischer, Drexel & Co. Und weil in „Stadt, Land, Mord“ keine der Hauptfiguren den Rahmen sprengt, kann Autorin Dinah Marte Golch mehr Wert auf rätselhafte Geschichten legen. Auch die privaten Konflikte sprengen den Rahmen der Krimiklamotten aus Tölz. mehr
Sympathisch ist diese fesch bezopfte Frau in Jeans, die jüngste Chef-Ermittlerin in einer deutschen Reihe, deren Chefinnen-Rolle und mehr noch ihre Kompetenz vom Zuschauer keine Sekunde lang in Zweifel gezogen werden dürfte. Das liegt auch an Maria Simon, eine exzellente Drama-Schauspielerin, mit der "stofflich" alles möglich sein wird. Bernd Böhlichs Auftaktfilm ist kein Krimi mit Ausrufezeichen (wie die HR-"Tatort"-Premieren). "Die verlorene Tochter" ist solide, konzentriert, superb besetzt. Böhlich weiß, was Potsdam braucht. mehr
Ein Ehepaar, ihr Sohn, eine leer geräumte Wohnung. Ein Tag vor der Abreise in ein neues Leben, taucht die erste Liebe des Ehemanns auf und will den Schwur der ewigen Treue von vor 24 Jahren einlösen, setzt damit Urktäfte frei und legt ein Familienleben in Trümmer. „Die Frau von früher“ ist moderne Ehegeschichte und klassische Tragödie zugleich. Andreas Kleinerts Film bewegt sich zwischen reduziertem Realismus, dezenter Stilisierung und theatraler Verfremdung. Das faszinierende Kammerspiel nach dem Drehbuch von Stefan Kolditz ist nach einem Theaterstück von Roland Schimmelpfennig entstanden. mehr
Afrika-Urlaub hin oder her – beim angestammten Partner ist es doch am schönsten. Und zu Hause sowieso. Selten wurden die Geschlechterrollen in einem Film für die „Zielgruppe“ so erzkonservativ ausgelegt. Die Autoren verirren sich in den drei Ks: Kitsch, Klamauk und Klischee. Den Rest dieses filmischen Desasters aus dem Hause TeamWorx besorgen die Dialoge. Der Film wurde bei seiner Premiere zu Recht im Sommerloch versendet. mehr
Aus einer recht originellen Grund-Idee entstand eine muntere Komödie, die nicht nur die soziale Realität vieler Kleinstädte abbildet und diese Idee gleichzeitig zum Motor eines Komödienmaschinchens umfunktioniert, sondern die auch nebenbei zeigt, wie sich die Politik der leeren Kassen in den Ehebetten niederschlägt. Doch was interessiert schon das fiktive Schicksal eines fiktiven Städtchens, wenn gute Komödianten durch die Szenerie fegen. mehr
Kann den Geilheit Sünde sein? Im Rahmen einer romantischen Sat-1-Komödie schon. Da merkt man dann doch plötzlich wie altbacken dieses Genre ist. An der Oberfläche funktioniert der Film durchaus: Stappenbeck und Luca als (Jungfrau) Maria und (Erzengel) Gabriel, Erotik und Schönheit gut austariert – da sollte nichts schief gehen. Doch für 90 Minuten reicht der Sympathiebonus nicht. Dafür ist das Drehbuch einfach zu schwach auf der Brust. mehr
Die eine wäre beinahe im Jugendarrest gelandet, die andere war in der Psychiatrie. „Zimmer mit Tante“ ist eine angenehme Überraschung am Samstagabend. Ein Film, der aus der Reihe tanzt – nicht nur was den Sendeplatz angeht. Zwei Generationen im Nahkampf. Zwei Eigenbrötler auf der Suche nach Nähe, Bestätigung, Liebe. Degeto wegweisend! mehr
Die 60minütige MDR-Produktion „Schneeweißchen und Rosenrot“ gehört zu den schwächeren Verfilmungen der Reihe „Sechs auf einen Streich“. Das liegt auch am Märchen selbst. Nah am Kitsch die Handlung, voller Klischees die ungebrochenen Charaktere, konservativ die Botschaften. Überzeugend sind allein die vier Hauptdarsteller – allen voran Liv Lisa Fries, in deren Gesicht sich mehr abspielt als in den meisten Szenen. mehr
Lebensmittelvergiftung durch einen Energy-Drink. „Borowski und die Frage von reinem Geschmack“ ist ein ziemlich hanebüchen zusammen geplotteter Whodunit. Der groben Handlung versucht Florian Froschmayers Regie mit gelegentlicher Überinszenierung beizukommen. Alles ist laut, plakativ, unspielerisch, aber wenigstens gibt das erste Zusammentreffen von Borowski und Brandt (Sibel Kekilli) ein Versprechen auf mehr. mehr
„Es war Mord und ein Dorf schweigt“ ist ein Thriller, der sich um ostdeutsche Vergangenheitsbewältigung bemüht. Kam der Vater der Heldin tatsächlich beim Versuch der Republikflucht durch eine Selbstschussanlage ums Leben? Die guten Ansätze der Geschichte arbeitet das Drehbuch von Timo Berndt zu wenig heraus und Jorgo Papavassilious Regie setzt vor allem auf oberflächliche Spannungsmache. Da wäre mehr möglich gewesen! mehr
Aus einer kleinen Abreibung wird tödlicher Ernst zwischen Schülern. „Sie hat es verdient“ handelt von einer „unfassbaren“ Geschichte. Autor-Regisseur Thomas Stiller hat sie entsprechend erzählt: ohne die Chronologie einer klassischen Fernsehfilm-Erzählung. „Der Film nähert sich den komplexen Strukturen hinter der Gewalttat und analysiert und seziert die Anatomie eines Verbrechens“, sagt Veronica Ferres. Ihr Gegenpart ist Liv Lisa Fries. Ein Ausnahmetalent: Diese Kraft, diese Wandlungsfähigkeit, diese Bandbreite und Tiefe der Gefühlslagen! Furios gespielt, beklemmend – bis zum (er)lösenden "Es tut mir leid". mehr
Ein Diebstahl, zwei Morde und eine Stradivari führen Pfarrer Braun nach Mittenwald. Da, wo die Dampfnudeln köcheln, da ist die Redundanz zu Hause. Das Altherren-Geplänkel, sowohl rein akustisch als auch in Sprachwitzhinsicht schwer zu verstehen, ist selbst mit seinen Tanzschulen- und Irish-Folk-Einlagen nicht abendfüllend und spannungstechnisch völlig irrelevant. Diese Langweile lässt sich nicht mal mit drei, vier Enzian gepflegt trinken! mehr
Wenigstens bleibt uns in „Mein Herz von Malaysia“ die Neubauer erspart. Ursula Karven bewegt sich routiniert durch die langatmige Handlung, die zwischen Krimi-Recherche, Sightseeing-Tour und interkultureller Herzenssache laviert. Story haarsträubend, Figuren klischeebeladen, Dialoge hölzern – bei dieser "Farbe" muss die Degeto noch üben! mehr
Wenn die Tochter einen doppelt so alten Mann liebt, weshalb kann sich die Mutter dann nicht einen jugendlichen Liebhaber nehmen? Viel Geschrei um vermeintliche Tabu-Brüche – und am Ende kommt alles so, wie es Biologie und gesunder Menschenverstand wollen. Sawatzki gibt dem Affen Zucker, Milberg hält sich vornehm zurück und das junge Ösi-Duo Anna Rot und Manuel Rubey sind zwei kapitale Hingucker. Perfektes Boulevard mit Top-Szenen! mehr
Anders als in Kästners „Doppeltem Lottchen“ begegnen sich die beiden Zwillingsschwestern in der Sat-1-Komödie „Ein Zwilling ist nicht genug“ erst als erwachsene Frauen. Es kommt zum Rollentausch zwischen Bäckerin und Designerin. Ein starker Stoff bleibt ein starker Stoff – und so gelingt Brigitte Müller ein launiger, warmherziger Familien-Wohlfühlfilm. mehr
Gelangweilt liegen sie am Pool, die Schickeria-Schicksen der Bussi-Gesellschaft. Da ein Witzchen, da ein Spritzchen oder noch eben ein letztes Schokoladenbad. "Unsterblich schön" ist ein künstlich arrangiertes Kammerspiel, das sein Versprechen auf eine Krimi-Satire nicht einlöst. Auch die psychologischen Spielchen laufen in die allgegenwärtige Leere. mehr
„Wissen Sie, wie das ist, wenn jemand, den man liebt, mit dem man sein halbes Leben verbracht hat, mit dem man alt werden wollte, wissen Sie, wie das ist, wenn der auf einmal sagt: Endstation, ich steige aus, du fährst alleine weiter. Das ist so schrecklich, da ist man plötzlich zu allem fähig.“ Was folgt, wirkt abgedroschen, macht aber neugierig. Mit dabei neben Mariele Millowitsch: Harald Krassnitzer und Natalia Wörner. Drehbuch: Laila Stieler. mehr