„Die letzte Spur“ geht als „Letzte Spur Berlin“ in die zweite Staffel. Das Konzept hat sich bewährt: Suchen andere Kommissare nach Mördern, sind es bei Radek & Co vermisste Menschen, die den Polizeiapparat bewegen. Das (dramaturgische) Prinzip lautet: verschiedene Zeugen, mehrere Perspektiven, unterschiedliche Deutungen – und es ergibt sich die Möglichkeit, Leben zu retten. Top besetzt, inszenatorisch weit überdurchschnittlich (doch mit nur einer von fünf neuen Folgen lässt sich die Serie nur mit Vorbehalt beurteilen)! mehr
Den Schweizer Regisseur Markus Imboden („Mörder auf Amrum“) verschlug es mal wieder hoch in den Norden. In einem Milieu aus Geld, Gier, Sadismus und Perversionen ist die Geschichte von Wolfgang Stauch angesiedelt. Die Zahl der Verdächtigen hält sich trotz der Verquickung von zwei Fällen angenehm in Grenzen. Die Krimi-Auflösung ist doppelt originell. Die konzentrierte Inszenierung trägt das Ihrige dazu bei. "Das Duo" macht sich! mehr
Die Hinterbliebenen erben die durch eine "Schrott-Immobilie" entstandenen Schulden. Für die Heldin von "Über den Tod hinaus" heißt es: entweder untergehen oder kämpfen. Sie entscheidet sich fürs Kämpfen. Wirkungsvoll von Andreas Senn inszenierte Erin-
Brockovich-Mär, die nicht den Boden des weitgehend realistischen Szenarios verlässt. mehr
Kriminelle Machenschaften auf höchster Ebene – davon handelt dieser Robert-Atzorn-"Tatort", der mit einem Paukenschlag beginnt, dann aber nichts von dem hält, was er verspricht. Der Film scheitert an seinen politischen Ambitionen. Die Sorgfalt jedenfalls, die man dem Thema angedeihen ließ, vermisst man bei der dramaturgischen Gestaltung. mehr
Alles mal wieder auf Anfang im „Schwarzwaldhof“? Die Chefin muss offenbar kürzer treten – will sie ihre Liebe nicht verlieren. So ähnlich hatten wir das schon mal bei Pfannenschmidt & Co. Läuft sich in dieser losen ARD-Reihe die Dramaturgie tot oder spiegelt sich in der Kreisstruktur die verhaltenstechnische Erkenntnis, dass der Mensch (nur) bedingt lernfähig ist und er immer wieder in ähnliche Muster verfällt? Trotz guter Ansätze: zu viel Degeto! mehr
Ein Freitagsfilm der Degeto, der sich sehen lassen kann. Das Drama „Nur mit euch!“ ist ein vergleichsweise sachlicher Beitrag zu der Frage, wie geschiedene Eltern die Kinderfrage klären. Die Autoren Benedikt Röskau und Sylvia Leuker nehmen das Thema ausgesprochen ernst, akzentuieren die beim Zuschauer aufkommenden Emotionen klug durch das Neben-Personal, treiben die Auseinandersetzungen aber insgesamt nicht unnötig auf die Spitze. mehr
„2 für alle Fälle – Ein Song für den Mörder“ ist eine ausgedachte, auf Reihe hin konzipierte Provinzposse um zwei ungleiche Brüder, die sich nach Jahren wiedersehen und einen Mord aufklären müssen. Unterhaltung mit Spaßfaktor von Nordlicht Lars Jessen. Die Nähe zu Land und Leuten, die Liebe zum Detail und die große Spielfreude fallen besonders ins Auge. mehr
Jugendheimgeschichten, Teenager, die es schwer haben, ihren Platz im Leben zu finden. Träume, Sehnsüchte, Überlebensstrategien... Einmal mehr ist Henriette Confurius das starke Zentrum eines weniger starken Films. Einerseits rettet sie „Ameisen gehen andere Wege“ von Catharina Deus („Die Boxerin“), andererseits zeigt sie aber auch durch ihre Stärken die Schwächen dieses Coming-of-age-Dramas deutlich auf, dem es an Einklang fehlt zwischen Hauptgeschichte und Nebenplots. In ihrem Blick steckt mehr Geschichte als im Drehbuch. Der Film arbeitet mit vielen Metaphern, die immer dann gut sind, wenn sie filmisch sind. mehr
Dieser „Polizeiruf“ hat es in sich. Der quälend gut gespielte Film geht nicht auf Mörderjagd, sondern richtet den Blick auf die Hinterbliebenen, die Mitopfer eines vermeintlichen Verbrechens. Autor Thebe durchleuchtet seine Protagonisten bis in die tiefsten Tiefen ihrer Seele und Eoin Moore gelingt es, aus Bildern, Tönen und zu Chiffren verdichteten Details mit Hilfe einer eleganten Montage ein sinnliches Krimi-Gesamtkunstwerk zu kreieren. mehr
Modell trifft Samenspender. Eine weibliche Zehn und eine männliche Drei lassen sich in schweren Zeiten auf eine Partnerschaft auf Probe ein. Oliver Wnuk verlängert in „Unter Umständen verliebt“ ziemlich liebenswert die Rolle des ewigen Jungen aus „Stromberg“. Und Mirjam Weichselbraun spielt sich langsam frei von ihrem nur-blond-süß-sexy-Bravo-Girl-Moderatorinnen-Image. Dieses gut getimte, klug elliptisch geschnittene, mit spritzig beiläufigen Dialogen garnierte Sat-1-Movie versöhnt abendfüllende Komödie mit Sitcom und Dramedy. Gefühle der Figuren ja – stereotype, inszenierte Romantik nein! mehr
Lena Odenthals Angst ist nur ein Zwischenspiel im „Tatort – Roter Tod“. Bald hat sie sich wieder im Griff – im Gegensatz zu dem Mann, der sie vielleicht angesteckt hat: ein Boxer, der offenbar mit einer infizierten Blutkonserve behandelt wurde. Eine reizvolle Geschichte, die mit etwas anderem Schwerpunkt das Potenzial für ein packendes Psychogramm besessen hätte. Die Macher entschieden sich für einen (spannenden) Krimi über ein blutiges Geschäft. mehr
Ein Ekel ist ermordet worden. Entsprechend viele Tatverdächtige gibt es. Das ungleiche „Tatort“-Duo Wuttke & Thomalla wächst mehr und mehr zusammen. Das überzeugend gespielte Krimi-Drama um gewalttätige Männer und still leidende Frauen zieht seine Stärke aus einer Geschichte und einer Inszenierung, die beklemmend nah bei den Figuren bleibt. mehr
Das organisierte Verbrechen im Fadenkreuz des LKA Berlin. Opfer und Täter, korrekte und korrupte Gesetzeshüter treffen auf die Härte sich gegenseitig bekriegender russischer Mafia-Banden, slawisches Neureichentum stößt auf die naiven Träume ukrainischer Mädchen. Rolf Basedows Geschichten besitzen eine „Seele“ und das Drehbuch eine Qualität, die sich sowohl in brillant erzählten Details als auch in großen Bögen widerspiegelt. Der klassische Polizeifilm wird veredelt durch eine ausgeklügelte multiperspektivische Dramaturgie. Dominik Grafs in jeder Hinsicht überragende Mini-Serie versöhnt Genre-Tradition mit Serien-Moderne. mehr
„Alpha 0.7 – Der Feind in dir“ ist ein transmediales Serienprojekt, in das Internet und Hörfunk kreativ eingebunden werden. Potenzielle Fans werden seit Wochen „angefüttert“ mit Infos zur Serie, mit Blogs, mit Videos, mit den Vorgeschichten der Figuren und der wissenschaftlichen Fiktionen. Die sechsteilige Serie von Marc Tensing ("Parkour") kann aber auch für sich bestehen. Sie ist klar und präzise auf das 25-Minuten-Format hin strukturiert, besitzt eine kühle, sachliche Bildsprache und ist bestens besetzt. (erstmals am Stück ausgestrahlt!) mehr
„Der Knochenmann“ ist die dritte Wolf-Haas-Romanverfilmung um den sonderbaren Privatdetektiv Brenner. Wieder hat sich das Dream-Trio Hader, Haas, Murnberger zusammengefunden. Bierbichler gibt den Hendlmann mit dem Hackebeil und die Knochenmahlmaschine kriegt viel zu tun. Da wird die Küche zum Mordwerkzeug, der Kühlraum zum Hobbykeller. Ein Fest für Freunde des Grotesken. Nachhilfestunde für deutsche Krimikomödienmacher (aus der Gegend um Münster) & Coen-Brüder-Fans! mehr
Ein weiblicher Psycho – und der Therapeut hat’s nicht gemerkt. Die Story um eine krankhaft übersteigerte Liebe, die in Psycho-Terror und anderen Wahnsinnstaten gipfelt, ist nicht neu. Doch in der typisch Wienerischen Melange aus hysterischem Weib und triebgesteuertem Therapeuten besitzt “Ausgeliefert” einen ganz besonderen Reiz. Freud jedenfalls lässt grüßen. Die Schauspieler sind allererste Sahne, um nicht zu sagen: österreichischer Schlagobers. mehr
Der 21. Fall des Lübecker „Duos“ gehört nicht zu den Glanzstücken der Reihe. „Tödliche Nähe“ ist ein Allerwelts-Whodunit, in dem alles eine Spur zu laut ist. Mit Sozial-Stereotypen robbt sich der Krimi über lange 90 Minuten. Hinter fast jedem Satz steht ein Ausrufezeichen. Die Ermittlerinnen nehmen sich selbst zu ernst und die Autoren den Krimi zu unwichtig. mehr
Lügen können heilsam sein. Gerlinde Wolf und Harald Göckeritz geben ein paradoxes Beispiel davon in der ARD-Komödie „Der Kaktus“. Regisseurin Franziska Buch bringt den Clou auf den Punkt: „Dieser Heinrich nimmt die ebenso gutgläubigen wie verblendeten Mitglieder dieser Familie nach Strich und Faden aus und stiftet dabei ein heilsames Chaos, das Lebenslügen ans Licht und die Beziehungen der Menschen in eine neue Ordnung bringt.“ Ein Film wie eine Folkrockballade, nur witziger. Lakonisch, ironisch und doch eine „ehrliche Haltung“. mehr
„Alle Zeit der Welt“ ist ein launiges Lügen-Komödien-Dramolett in angenehm altmodischem, kleinstädtischem Ambiente, ohne falschen Schmus, im Detail putzig erzählt und liebevoll inszeniert. Das Uhrmacher-Handwerk und die Charakteristik der Hauptfigur, der Wert der Tradition geben der Geschichte ihre stimmige Grundierung. Andrea Katzenbergers Film ist ein sehr passend besetztes Feelgood-Movie, mal gewitzt, mal romantisch, mal märchenhaft. mehr
Autor Günther Schütter macht es dem Zuschauer mal wieder nicht einfach: “Himmelreich auf Erden” erzählt von zwei Menschen, einem Behinderten und seiner Therapeutin, auf ihrem Weg ins Leben. Dabei benutzt er “die Zeit als heilendes, zerstörendes, veränderndes Prinzip, ja als eigentlichen Protagonisten” und bricht damit die gängige finalgesteuerte TV-Dramaturgie auf. Regisseur Thorsten C. Fischer hat das Ganze einfallsreich zwischen Tragik & Heiterkeit, zwischen Heimatkomödie & Liebesmelo in Szene gesetzt. Man muss sich einsehen! mehr