Um gutbürgerliche Foltermethoden kreist „Spiel mit dem Feuer“ aus der Reihe „Unter anderen Umständen“. Es müssen nicht immer S/M-Praktiken sein. Es geht darum, Menschen Schmerz zuzufügen. Das Buch lotet dieses Thema nicht tiefer aus. Ist das ein Krimi aus der beliebten Sparte „gut gemachter, bestens besetzter, gekonnt inszenierter Provinz-Whodunit mit kleinen dramaturgischen Schwächen“? Eher nicht. Der Angang des S/M-Themas ist lauwarm. Der Ermordete überschritt Grenzen beim Ausleben seiner Gewaltphantasien. Der Film nähert sich keiner einzigen Grenze. Die Inszenierung bleibt flach und keine Szene in Erinnerung. mehr
„Die Nonne und der Kommissar“ geht in die dritte Runde. Der Schwarzwälder Krimikomödie geht endgültig die Luft aus. Brav, bieder und ohne Mut, mal richtig Gas zu geben. Regisseur Berno Kürten kann da ebenso wenig etwas retten wie die TV-Sympathen Kramer und Halmer. Kein ARD-Mittwochsfilm, das ist allenfalls „Pfarrer Braun“ in der ADS-Version! mehr
Ein tödlicher Virus in den Händen skrupelloser Gangster. Eine Familie, eingeschneit in einem Haus und von Eindringlingen terrorisiert. Wie Ken Folletts Roman „Eisfieber“ verbindet auch der TV-Zweiteiler diese beiden Themen im typischen handlungsstarken Stil des angloamerikanischen Erzählens. Spannung und Funktionalität sind alles und Tom Schilling, Matthias Brandt & Anneke Kim Sarnau zeigen in dem ZDF-Thriller coole Klasse. mehr
Während einer Flugschau rast eine Maschine beim Startversuch in die Zuschauer. Vier Tote, der Pilot überlebt... „Tatorte“, aus dessen Krimifall sich ein Drama herausschält, gibt es öfters. Dass 45 Minuten lang ein Mordmotiv aus der tiefen Tragik eines Schicksalsschlags heraus entwickelt wird – das indes sieht man selten. Glanzrolle für Matthias Brandt. mehr
Nur eine Familie auf Probe? Ein verwitweter Lehrer und eine geschiedene Gärtnereibesitzerin haben sich auf mehr eingerichtet. Doch sie haben es sich leichter vorgestellt... „Familie für Fortgeschrittene“ erzählt von den Nöten einer XXL-Familie. Die Problemlagen sind dem Alltag abgelauscht. Eine unsichtbare Dramaturgie, ein leichter Grundton und gute, sympathische Hauptdarsteller dominieren diese Degeto-Produktion mit hohem Andock-Potenzial. mehr
Die umtriebige Frau eines Tischlers will nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nicht in die zweite Reihe zurücktreten. Ein typischer Neubauer-Stoff. Doch in „Hannas Entscheidung“ lösen Autor Benedikt Röskau und Regisseur Friedemann Fromm das Thema Beziehungs-Findung in den Nachkriegsjahren vom Kitsch-Ambiente. Die Neubauer ist so gut und passend besetzt wie seit Jahren nicht und Edgar Selge bietet in seiner emotional vielschichtigen Heimkehrer-Rolle eine überragende Leistung. Auch kamera- & lichtästhetisch ein ganz großes Melodram voller Referenzen an die Ikonografie der 1950er Jahre! mehr
In einer Hamburger Firma für neue Technologien werden geheime Konstruktionspläne verschoben. Cenk Batu soll Beweise liefern und die Industriespione dingfest machen. Bald ist der Hauptverdächtige tot und der coole VE verliebt. Ein stilistisch überragender "Tatort". mehr
Am Anfang war das Thema: Trinkwasser als lebensnotwendiger Rohstoff der Erde, als knappe Ressource, mit der sich Profit machen lässt. Dann ist da eine deutsche Familie, durch die ein Riss geht. Es gibt viele Fallen, in die ein solches deutsch-afrikanisches Projekt hätte tappen können. Christian Jeltsch, Andreas Senn und ein ausgezeichnetes Schauspieler-Ensemble nehmen alle Hürden und machen "Verschollen am Kap" zu einem packenden Stück Fernsehen in einem Genre, das man als TV-Kritiker längst aufgegeben hatte. mehr
In „Asyl“ von Edward Berger zieht Schimanski zum 40. Mal den Schmuddel-Parka an und riskiert mal wieder seine Haut. Autor Horst Vocks thematisiert die schrecklichen Folgen für die Menschen in Kriegsgebieten. Schimmi nimmt sich eines traumatisierten jungen Mannes aus Tschetschenien an. Die Geschichte ist tempoarm. Der Held tritt bemerkenswert unspektakulär auf. Verzicht auf Selbstironie. Geblieben ist Schimanskis Haltung! mehr
„Die Gottesanbeterin“ von Markus Imboden aus der Reihe „Ein starkes Team“ wartet mit so vielen Verdächtigen auf, dass man zwischenzeitlich gar nicht mehr fragt, auf wen sich die Ermittlung konzentriert und welche Figuren nur „Füllmaterial“ für die Krimihandlung sind. Stimmig inszeniert, überzeugend gespielt, etwas überkonstruiert, aber unterhaltsam! mehr
Ein Heckenschütze geht um in Bremen. Was als Sozialdrama beginnt, zwischenzeitlich Thriller-Züge annimmt, endet mit einem nervenaufreibenden Showdown und Kommissarin Lürsen nervt mal wieder. Dennoch ein überdurchschnittlicher Bremen-"Tatort". mehr
Eine Klage auf Schmerzensgeld soll einen vom Pech verfolgten Hundeladenbesitzer finanziell sanieren. Doch der Kläger findet die Beklagte höchst attraktiv. Auch in anderer Hinsicht ist es arg hinderlich, dass das Attest auf Impotenz ausgestellt ist... „Tote Hose“ besitzt weitaus mehr dramaturgisches Durchhaltevermögen als es das keineswegs abendfüllende Motiv des „Dauerhängers“ ermöglicht hätte. Auch sonst ist der Film für diejenigen, die sich nicht vom Gestus des tiefergelegten Witzes abschrecken lassen, ein gelungener Komödienspaß. mehr
„Wo die Liebe hinfällt“ bemüht die Macht des Schicksals und die Ohnmacht der Einbildung. Das ist inhaltlich zutiefst kitschig, doch dieser „Sinn“ bindet die Romanze ästhetisch und gibt ihr ein wenig dramaturgischen Halt. Freitäglichen Dahindöse-Fernsehen mit ansehnlichem Liebespaar, deutsch-österreichischer Heiterkeit und den üblichen Postkartenansichten. mehr
Eine Alt-68erin im Kampf gegen Kleinmut und Konventionen, die mit frischem Besen durch die Kleinstadt fegt. Das ist eine zwar ausgedachte, aber hübsche Grundidee und serientauglich ist sie allemal. Erst recht, weil Michaela May für die Rolle gewonnen wurde. Schade nur, dass beim Versuch, die Talare ein wenig auszulüften, vergessen wurde, auch die Dramaturgie vom Muff zu befreien. Bei dieser Konstellation dürfte auf jeden Fall mehr drin sein! mehr
Ist es bloße Zeitnot, dass die ARD beim „Traumhotel“ nun ähnlich verfährt wie das ZDF beim „Traumschiff“ und für die Brasilien-Episode nur einen 35-minütigen Zusammenschnitt den Journalisten zukommen ließ?! Der jedenfalls legt nahe, dass die telegene Vietnam-Episode ein "Ausrutscher" war. Brasilien ist wieder ganz der Griff in die touristische Klischeekiste. mehr
„Der Kommissar und das Meer“ ist nun wieder am Samstag gestrandet. Auch dieser deutsch-schwedische Insel-Krimi des Österreichers Thomas Roth, der elfte der beliebten ZDF-Reihe, lebt von seiner (leisen) Stimmung: das Meer, die Landschaft, das Licht und Walter Sittler – das passt gut zusammen. So klar der Regisseur Roth erzählt, so sehr verzettelt sich aber der Autor Roth in seiner Geschichte – die mal wieder mächtig im Mythologischen wildert. mehr
„Der kalte Himmel“ erzählt vor allem im ersten Teil die Geschichte eines autistischen Jungen mit stimmungsvoller Sinnlichkeit. Andrea Stoll und Johannes Fabrick nehmen sich Zeit und geben dem Zuschauer die Möglichkeit, die Krankheit, die viel mit Strukturen und Mustern zu tun hat, sich visuell zu erschließen. Auch der Winter steht dieser Geschichte gut. Und ähnlich wie der Schnee legt sich der Soundtrack jener Jahre über die Szenen. Christine Neubauer sah man lange nicht so gut und passend besetzt. Emotional perfekt & ein stimmiges Zeitbild. mehr
Die Zombies sind los in Berlin... Ein Horrorfilm aus der Trash-Kategorie im ZDF – das hat Seltenheitswert. Doch keine Panik: „Rammbock“ setzt nicht auf vordergründige Ekel-Effekte, sondern errichtet vielmehr ein apokalyptisches Szenario, das zwar von Schock- und Spannungsmomenten durchzogen wird, in dem sich aber auch gesellschaftliche Ängste spiegeln. Die Mixtur aus morbid, melancholisch und lakonischem Witz, aus physischem Schrecken und psychologischer Bedrohung geht auf: wenig ist eben doch oft mehr. mehr
„Sechs auf einen Streich“ bietet sechs 60minütige Märchen, werkgetreu und doch zeitgemäß ausgelegt. Laptops, Handys und Jugendsprache mussten draußen bleiben. Da stimmen Konzeption und Umsetzung, Aufwand und Resultat, Sendeplatz und Vermarktung. Für die älteren Kids besonders reizvoll adaptiert, sind Märchen wie „König Drosselbart“ oder „Der Froschkönig“, die um das Wunder der Liebe kreisen. Grundsatz-Analyse 2008. mehr
„Lediglich auf den Märwert, nicht auf den kulturellen Mehrwert, zielen die Verfilmungen dieser sechs herrlichen und tiefsinnigen Märchen“, schrieb Nikolaus von Festenberg vor zwei Jahren im "Spiegel". Die Zuschauer sahen das ganz anders. Deshalb zog die ARD nach und übertreibt es mit ihrer märchenhaften Aufgeräumtheit und den Manierismen des Genres. Rund um die Weihnachtsfeiertage 2010 gibt es neue Märchen-Streiche – und viele Wiederholungen der alten auf leicht zeitgeistig getrimmten Volksweisen. Hier die Detail-Analyse 2009! mehr
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