Eine brandenburgische Kleinstadt in den späten Neunzigern. Bauunternehmer, Bürgermeister, Sekretärin, Vertreter, die herumlungernde Jugend - alle träumen vom Aufschwung Ost. Sie bekommen ihn aber nur beinahe zu fassen. “Befreite Zone” ist eine schräge Tragikomödie über große Träume und kleinbürgerlichen Alltag. Fußball fungiert als Metapher für die Illusionen von blühenden Landschaften. Episodisch, amüsant, gut besetzt, tolles Timing. mehr
Ein Kind tötet ein anderes Kind. War es Totschlag oder ein Unfall? Eine schwere Zeit für den "Täter", seine Mutter, die Psychologin, die Eltern des Opfers. Alexander Dierbach nimmt die psychologische Grundsituation ernst, nähert sich jeder seiner Figuren respektvoll. Mit etwas mehr narrativer Reduktion und dramaturgischer Konzentration hätte es ein überragender Debütfilm werden können. So ist „Uns trennt das Leben“, der inszenatorisch eine große Klarheit besitzt, ein überaus bemerkenswerter Erstling. Großartig die Besetzung: Koschitz (perfekt), Sarnau (gut wie immer), Kinderdarsteller Jannick Brengel (bestens geführt). mehr
Ein Obdachloser ist offenbar mit Frostschutzmittel vergiftet worden. Nach einem zweiten Mord an einem Berber ist zu befürchten, dass ein Serienmörder umgeht. Schematisch ist nicht nur die Krimistory, sondern auch der politisch korrekte Schenk-Ballauf-Dialog. mehr
Ein Bulle saß unschuldig im Knast, jetzt will er Rache. Heino Ferch darf zeigen, weshalb er der deutsche Bruce Willis genannt wird. „Rottmann schlägt zurück“ ist ein Film über ganze Kerle. Ein markiger Ferch, rasante Bilder, schön heruntergekommene Ekel-Locations, cooler Look – der Regisseur Mark Schlichter hat im Fach Cop-Thriller ästhetisch ganze Arbeit geleistet. Nur leider hat der Autor Mark Schlichter keinerlei Sorgfalt walten lassen. mehr
Bei Laurenti funktioniert die "Italisierung" schlechter als bei Brunetti. Auch Fall 4 „Der Tod wirft lange Schatten“ ist ein Krimi aus der unteren Mittelklasse. Es beginnt mit einem Schuss Action: Bei einer Schießerei auf offener Straße wird ein Enkel eines skrupellosen, rechts gerichteten Geschäftsmannes getötet. Weil offenbar die kostspieligen Krimis aus Triest allen etwas bringen sollen, verzetteln sie sich in ihren trivialen Geschichten. Spannungslos, dürftige Action, mit großen Namen überladen. Eine einzige Geldvernichtungsmaschine. mehr
Er war ein maßloser Machtpolitiker und ein karrieresüchtiger Architekt. Als Hitlers ergebener Baumeister machte Albert Speer sich einen Namen. Er war Rüstungsminister, KZ-Errichter und er veranlasste die Deportation zehntausender Berliner Juden. In die Geschichtsbücher aber ist Speer nicht als Kriegsverbrecher eingegangen, sondern als Gentleman-Nazi, als unschuldig Schuldiger... Speer zimmerte sich seinen Mythos selbst. Breloer entzaubert ihn in seinem dreiteiligen Doku-Drama auf faszinierende Weise. Ein anspruchsvoller Film. mehr
"Der Dicke" geht in die dritte Staffel - und alles ist wie gehabt: eine aufgeklärte Mischung aus Anspruch, Unterhaltung und solider Machart. Nur eines ist neu: Sabine Postel an Dieter Pfaffs Seite. mehr
Ob „Tatort“ oder „Der Dicke“: Sabine Postel mag mutige, soziale Stoffe. In der Anwaltsserie spielt sie die neue Kollegin von Gregor Ehrenberg, im „Tatort“ bekommt ihre etwas lustfeindliche Kommissarin Inga Lürsen endlich einen Liebhaber, und im Interview ist die 55-jährige Schauspielerin ein extrem ausgeschlafenes Gegenüber. mehr
Mit Mitte 50 besinnt sich Gregor Ehrenberg seiner beruflichen Anfängen. Der Anwalt will sich wieder um Menschen kümmern, die es schwer haben, sich im Großstadt- und Gesetzes-Dschungel zurecht zu finden. Der Schauspieler ist prädestiniert für Rollen, in denen Menschen Neuanfänge versuchen. mehr
Die Besetzung bleibt das einzige Mysterium dieser ARD-Schmonzette. Die Wellen wogen und die Gräser wiegen sich im Wind. Die Figuren agieren seltsam gehemmt, die erwarteten großen Gefühle, die die See bestens bebildern könnte, bleiben aus. Kein Balsam für die Seele. mehr
Aus einer recht originellen Grund-Idee entstand eine muntere Komödie, die nicht nur die soziale Realität vieler Kleinstädte abbildet und diese Idee gleichzeitig zum Motor eines Komödienmaschinchens umfunktioniert, sondern die auch nebenbei zeigt, wie sich die Politik der leeren Kassen in den Ehebetten niederschlägt. Doch was interessiert schon das fiktive Schicksal eines fiktiven Städtchens, wenn gute Komödianten durch die Szenerie fegen. mehr
Wenn man bereit ist, Max Tidof den Wechsel vom Familien-Ekel zum aufrichtig Liebenden abzunehmen, dann ist der Weg frei für 90 amüsante Minuten mit der vordergründigen, wunderbar hochtourigen Läuterungskomödie "Auf der Suche nach dem G-Punkt"! mehr
Der Jungfilmer Robert Thalheim blendet sich ein in das Leben eines Ostberliner Arbeitslosen, macht so den Alltag der Harz-IV-Gesellschaft transparent, ohne falsches Mitleid, aber auch ohne seinen Helden zu diskreditieren. Einer der besten Debütfilme der letzten Jahre. mehr
"Krauses Kur" von Regisseur Bernd Böhlich folgt der Dramaturgie eines (K)Urlaubs: man ärgert sich, man gewöhnt sich an die Ärgernisse, kommt zur Ruhe, schließt Freundschaften oder verliebt sich und verspricht, nächstes Jahr wiederzukommen. Ein nachdenklicher Wohlfühlfilm im Gewand der Heimatkomödie und mit einem höchst skurrilen Ensemble mehr
Eine junge verliebte Frau will Novizin im Kloster werden. Es geht außerdem um die Kunst des Parfümeurs – doch dieses Utta-Danella-Melodram vernebelt einem nur die Sinne, anstatt sie anzuregen. Und schlimmer noch: dieser Film, dessen Stoff die Degeto in der Ramschkiste der Kitsch-Queen fand, verknotet einem das Hirn und verschlägt einem die Sprache. mehr
TV-Psychologin gerät in die Kritik, weil deren Lügen im Namen der Quote von ihrer Tochter öffentlich bloß gestellt wird. Die Vorlage wurde von Wolf Gremm völlig versemmelt. Die Dialoge sind zum Weghören, falsches Pathos klebt an den Konflikten und Christine Neubauer mit der nur ihr eigenen Diktion machen diesen Film zu einem Stilblüten-Schatzkästlein zum Fremdschämen. Da bleibt das Mutter-Tochter-Drama gänzlich auf der Strecke. mehr
Ein junger Mann wittert überall Verschwörungen: Er behauptet steif und fest, dass es die Stadt Bielefeld nicht gibt. Bald hat er viele Fans – dann ist er tot. Manni Höch alias Heinrich Schafmeister schaut mal wieder vorbei, kommend aus Bielefeld. Um diesen abgefahrenen Fall, der mehr von einem aufgeregten Freundschaftstreffen hat als von einem klassischen Krimi, goutieren zu können, sollte man am besten ohne eine Erwartungshaltung an den spielerischen, gut besetzten Nonsensfilm rangehen. Oder mal „Die Bielefeld-Verschwörung“ googeln. mehr
„Der Polizeiruf 110 – Im Alter von…“ erlebt nach 27 Jahren seine verspätete (rekonstruierte) Erstaufführung. Das Filmprojekt war ein ungeliebtes Kind. Rohschnitt, Kopie, Aufzeichnungen, alle Drehbuchexemplare wurden vernichtet. Durch einen Zufall blieb das stumme Kamera-Negativ erhalten. Der Film erzählt von einem pädophil-homosexuell motivierten Mord, einem Phänomen, das es so in der DDR nicht geben durfte. Gute Synchronisation. Ein Dokument von hohem politischen und fernsehhistorischen Wert. mehr
Eine Wienerin will Urlaub machen, doch der Besitzer des Ferienhauses rückt ihr nicht von der Pelle. Charmant bekocht er sie – da will sie nicht nein sagen. Xaver Schwarzenberger und Autor Gerhard Roth locken den Zuschauer in eine naturverbundene Selbstfindungsgeschichte. Doch ehe man sich versieht, ist man mittendrin in einem typisch österreichischen Psycho-
Thriller der kauzigen Art. Für Fans schwarzer Ösi-Krimikost ein großes Vergnügen! mehr
Carla ist 23 und hat noch nie mit einem Mann geschlafen. Sie träumt von der wahren Liebe. Doch weil diese auf sich warten lässt, beschließt die Studentin, sich wach küssen zu lassen. Der Auserwählte ist Arzt und alles andere als ein souveräner Ehebrecher. Die Komödie nach Annegret Helds Roman beginnt schwach, doch dann nimmt der Dialogwitz Fahrt auf. mehr