Ermittlungen im Schach-Champion-Milieu. Selten hat ein Buddy-Pärchen im deutschen Fernsehkrimi weniger genervt als das von Millowitsch und Schönemann gegebene Duo. Zumindest in diesem Film nach dem in sich geschlossenen Drehbuch von André Georgi, das klug gebaut, fein reduziert und mehr als ein Whodunit ist. Dramatischer und heiterer Tonfall fließen reibungslos ineinander. Wahrnehmungspsychologisch klug, hochkarätig besetzt. mehr
Sat 1 knüpft mit Tonfall und Machart von „Albert – Mein unsichtbarer Freund“ nahtlos an sehenswerte Familienfilme des Senders wie „Das Gespenst von Canterville“ oder „Das total verrückte Wunderauto“ an. Mit dem Motiv des „Fantasiegefährten“ knüpft er aber auch an die Filmgeschichte an. Gut besetzt, bestens ausgedacht & mit leichter Hand inszeniert. mehr
Bei dieser Frau beißt ein ewig lügender Womanizer auf Granit. Grund: sie ist eine Hexe und sie durchschaut sein Spiel, wobei sie durchaus etwas übrig hat für ihn – und er natürlich auch für sie. Isabella Parkinson und Markus Knüfken spielen sich leichtfüßig durch diese selbstironische Komödie, in der eine Tonlage zwischen Überdrehtheit und Alltag, Witz und Magie vorherrscht. 2002 waren solche Fantasy-Komödien ein Renner bei Sat 1. mehr
Aglaia Szyszkowitz & Richy Müller flirten, turteln & leiden in “Tigermännchen sucht Tigerweibchen” abendfüllend durch die Münchner Szenerie. Die Handlung scheint direkt aus dem Alltag adaptiert zu sein und verzichtet auf eine übertriebene Dramaturgie. Der zeitgeistige Beziehungsroman in der leichten, Sonne-&-Strand-kompatiblen Ausführung stand Pate. mehr
Nach 40 Jahren erinnert sich Lotti an ihre große Liebe: einen Schiffer – und will jetzt "alles". Ihre Tochter macht es ihr nach und verliebt sich in einen echten Kerl. Von der Sinnlichkeit spürt man wenig. Im Gegensatz zu einem Film wie „Unter den Brücken“, den unsere Großeltern sahen, wirkt „Lotti auf der Flucht“ wie Uraltlavendel. MDR-ORF-Süßstoff! mehr
Ein kleiner Junge wendet sich hilfesuchend mit einer E-Mail an Bill Gates, bekommt Antwort und reist kurzerhand mit seiner Mutter nach Seattle. „Das 100 Millionen Dollar Date“ ist eine Romantic Comedy mit einer Prise kindlicher Naivität und kapitalismuskritischen Kauzigkeiten (Chiem van Houweninge sei Dank) versetzt. Story und Titel sind großer Quatsch; doch der Film mit seinen offenen Anleihen bei „Schlaflos in Seattle“ verfehlt nicht seine Wirkung. mehr
"Liebe auf Kredit" handelt von einem Cateringfirmen-Krieg, der sich zum Geschlechterkrieg zwischen drei Mädels und einem Mr. Supersmart auswächst und zu einer der launigsten Romantic Comedies, die Sat 1 je produziert hat. Der Schwebezustand zwischen möglichem Gefühl und hinterhältigem Kalkül wird lange gehalten. Felix Eitner wechselt gekonnt zwischen einnehmendem Lächeln und geschäftlichem Blick veredelt Kreihsls Komödie mit der Lust am Katz-und-Maus-Spiel, erotischem Versprechen und verklärter Verliebtheitsmiene. mehr
Dem Label „Heiter bis tödlich“ gehen langsam die Ideen aus. Die Konstellation – aufstrebende Journalistin landet in der Provinz und erweist sich dort bei ihren Recherchen als kriminalistische Spürnase – hatten wir gerade erst in „Fuchs und Gans“. Und zwar prickelnder als in der neuen Vorabendserie „Zwischen den Zeilen“ um eine verschlafene Aachener Zeitungsredaktion. Holzschnittartige Figuren, altbekannte Klischees, kein Witz. mehr
Der Blick auf den Bodensee gab die Betriebstemperatur des neuen „Tatort“ vor: sie lag weit unter dem Gefrierpunkt! Stahlblau glänzte der Nachthimmel, ein eisiger Wind wehte nicht nur durch die unwirtliche Winterlandschaft, sondern auch durch die Flure jenes Elite-Internats, in dem ein Mitschüler zu Tode kam. „Herz aus Eis“ war ein Film der Charaktere, der Gesichter, der Schauspieler. Klar auch der Stil, glasklar die Bilder. Ein außergewöhnlicher „Tatort“. mehr
Am Anfang bringt sie sich selbst in Gefahr, um einem Reh das Leben zu retten. Später zeigt sie noch Mitleid mit einem im Moor versinkenden Bösewicht. Am Ende ist Eva Schiller dann aber gar nicht mehr zimperlich. Um sich und ihre Familie aus der Gewalt von zwei sadistischen Schlepper-Gangstern zu befreien, geht und fährt sie auch über Leichen. mehr
Jan-Gregor Kremp dürfte nach diversen Rückschlägen am Ende „Die Aufnahmeprüfung“ in eine Patchworkfamilie bestehen, dem gleichnamigen Film indes bleibt die Aufnahme ins goldene Buch der Degeto-Highlights versagt. Die Geschichte plätschert anfangs dahin wie ein Urlaubsfilmchen mit pubertären Quengeleinlagen – ohne Mut, thematisch dorthin zu gehen, wo es weh tut, oder zumindest in die Gute-Laune-Richtung zu gehen – sprich: Komödie zu machen. Trotz starker Besetzung & guter Optik ist dieses Dramolett eine Enttäuschung. mehr
Mit scharfen Chemikalien und dem Herz am rechten Fleck trifft Heiko „Schotty“ Schotte am Tatort ein, bevor er mit Kraft und praktischer Intelligenz seinen Mann steht. Selbst im Disput mit Neonazis oder einem Mörder gibt „Der Tatortreiniger“ eine gute Figur ab. Das ist vor allem Hauptdarsteller Bjarne Mädel („Mord mit Aussicht“) und Drehbuchautorin Mizzi Meyer zu verdanken. Die drei neuen Folgen halten das hohe Niveau der preisgekrönten Serie. mehr
Im Jahr 2000 war's ein Fall für das Sommerloch: Ein “Tatort” mit einer Kreuzigung als Mord-Szenario – das gefiel der Kirche nicht. Felix Mitterer hat mit “Passion” einen modernen Heimatkrimi geschrieben, in dem es mehrere Opfer und mehrere Täter gibt. Ein Spiel mit Sinnbildern und Metaphern und vor allem mit einem großartigen Ensemble um Harald Krassnitzer und Sophie Rois, die dem Chef-Ermittler damals (noch) die Schau stahl. mehr
Weil eine Mutter der Schwiegermutter den Umgang mit ihrem Enkel untersagt, weiß sich die an sich kluge Frau keinen besseren Rat, als vor Gericht zu gehen... Thekla Carola Wied zeichnet eine Figur, die vom „gesunden Menschenverstand“ aus betrachtet sympathisch ist, vernünftig und völlig im Recht zu sein scheint, die zugleich aber voller Widersprüche steckt. Ein klug entwickeltes filmisches Plädoyer in Sachen Verantwortung und Kindeswohl, dass selbst im Happy End die Figuren nicht verrät und auch visuell zu gefallen weiß. mehr
Der Auszubildende Jan bangt um seine Übernahme. Als ihn sein Chef um das Ausspionieren seiner Teamleiterin bittet, gerät er in einen Gewissenskonflikt. Das Debüt „Die Ausbildung“ ist das gelungene Porträt eines Unentschlossenen und die sozialkritische Studie eines Systems, in dem die Menschen sich der kalten Effizienz der Zahlen unterwerfen. Alles wirkt gedämpft. Wenig Bewegung, wenige Dialoge, wenig Tempo. Etwas langatmig, aber nie langweilig. Botschaften werden nicht hinausposaunt, allenfalls von einem Chor gesungen. mehr
Es wird nun doch nichts aus Köln – Sophie Haas bleibt der Eifel erhalten und Hengasch in leidenschaftlicher Hassliebe verbunden. 13 neue, skurrile Geschichten um das Provinz-Revier mit Phlegma-Dietmar und Wirbelwind Bärbel stehen dem Schmunzel(krimi)fan ins Haus. Wunderbar: Caroline Peters massiver Gesichtseinsatz & Bjarne Mädels köstlich entschleunigte Körpersprache. Das Beste, was der ARD seit langem in Sachen Serie eingefallen ist. mehr
„Wie Tag und Nacht“ ist eine Degeto-Komödie, bei der so ziemlich alles anders ist: Der Held ist ein Mann, der Culture-Clash läuft als Nebenplot und das Liebeskonzept ist erwachsen, also eher der Realität als den Klischees der Romantic Comedy abgelauscht. Die Geschichte lebt von ihren Situationen und den lebendigen Charakteren; Claudia Matschulla und Sibylle Tafel erzählen dramaturgisch dicht, lieben zugleich das Beiläufige und halten so die Handlung stimmungsvoll offen. Sarbachers Spiel – seine Figur ist ständig müde – trifft genau diesen Ton. Der Film löst 90 Minuten lang sein Versprechen intelligenter Unterhaltung ein. mehr
In „Eine Insel namens Udo“ begegnen sich zwei Außenseiter, zwei, die sich gegenseitig erkennen: ein kauziger Mann ohne Eigenschaften, ein „Schwersichtbarer“ ohne soziale Kompetenz, und eine verwandte weibliche Seele, die als Hotelkauffrau allerdings mit den Anforderungen des Alltags umzugehen weiß. Kurt Krömer macht seine Sache als Schauspieler gut; die lebendigere Rolle gehört aber der umwerfenden Fritzi Haberlandt. Dramaturgische Schwächen; nicht jeder Witz zündet. Besser im Fernsehen als im Kino aufgehoben! mehr
Ein Kuss, ein überhörtes Signal – und zwei Leben sind völlig aus den Angeln gehoben. 22 Tote. Ein Bahnwärter hat nicht richtig reagiert und wird dennoch freigesprochen. Dafür wird die Lüge ihn und das Objekt seines Begehrens auffressen. Glück wird größer, wenn man es teilt. Schuld auch. Eine preisgekrönte österreichische Kino-Koproduktion nach Ödon von Horvath. Sperrig und intensiv zugleich, gute Schauspieler und vorzüglicher Soundtrack. mehr
Ex-Callgirl, auf das ein Kopfgeld ausgesetzt ist, kommt beim LKA unter. "Lizzy und der Kommissar" (hieß bei der Erstausstrahlung: "Callgirl undercover") ist ein Blondinenwitz von einem Film. Sat 1 bleibt sich seinem neuen billig-billig-Touch treu. Am Reißbrett entstanden der Plot, gedreht in sterilen Muff-Locations, schnell runtergekurbelt von Ulli Baumann, schlecht besetzt von Grundy UFA. Völlig missglückt ist der Genre-Mix und das Frauenbild stammt aus der Steinzeit: verständnisvolle Muschi gesucht! mehr