Münster ist eine Stadt voller Tradition. Auch die Mörder halten sich hier offenbar an die Geschichte. Der zu Beginn von “Mörderspiele” gefundene verschnürte Frauentorso ähnelt jedenfalls genau der Verpackungsart beim bislang berühmt-berüchtigsten Mord der Nachkriegsgeschichte der Stadt. Es geht gewohnt skurril zu in diesem Boerne-Fichte-“Tatort” aus dem Jahre 2004 um Copykiller, mafiose Trittbrettfahrer und ewige Fahrradklauer. mehr
Im Mittelpunkt von "Verhältnisse" steht ein Mann, der von allen Seiten Druck bekommt, ein Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Der gescheiterte Architekt Philipp ist ein Möchtegern-Macher, der die Realitäten durch Illusionen ersetzt. Devid Striesow spielt ihn in seiner unnachahmlichen Art. Auch Nicolette Krebitz beeindruckt. Ein TV-Drama, bei dem man nicht sofort weiß, wohin die Reise geht. Ungekünstelt, undramatisch, realistisch! mehr
Ex-Callgirl, auf das ein Kopfgeld ausgesetzt ist, kommt beim LKA unter. "Callgirl undercover" ist ein Blondinenwitz von einem Film. Sat 1 bleibt sich seinem neuen billig-billig-Touch treu. Am Reißbrett entstanden der Plot, gedreht in sterilen Muff-Locations, schnell runtergekurbelt von Ulli Baumann, schlecht besetzt von Grundy UFA. Völlig missglückt ist der Genre-Mix und das Frauenbild stammt aus der Steinzeit: verständnisvolle Muschi gesucht! mehr
DDR 1980, ein Vopo und eine Dissidententochter lieben sich. Die Familien und Vater Staat versuchen, wo es nur geht, die Verbindung zu boykottieren. "Weißensee" ist Familienserie, zeitgeschichtlichtliches Drama und vor allem ein ganz großes Schauspielerereignis. Das Casting ist bis in die kleinste Nebenrolle prefekt. Der Sechsteiler von Friedemann Fromm wagt große Gefühle und besticht durch kleine, intensive Szenen und einen unaufdringlichen Ausstattungsrealismus. Der Vorwurf der "Vermenschlichung" der Täter ist so alt wie das Abbildmedium Film – und greift bei dieser viel zu gut gemachten ARD-Serie nicht. mehr
DDR 1980, ein Volkspolizist und eine Dissidententochter lieben sich. Die Familien und Vater Staat versuchen, wo es nur geht, die Verbindung zu boykottieren. Stasi, Liebe, realer Sozialismus und die Muster einer Familienserie – kann das zusammen gehen? Die Autorin Annette Hess sagt im Interview, wie das gehen kann, was sie als Wessi an der DDR fasziniert, wie "realistisch" die Serie ist und wie es dazu kommt, dass sie neben "Weißensee" sehr leichte Serien wie "Tierärztin Dr. Mertens" oder "In aller Freundschaft" schreibt. mehr
Stasi, Liebe, realer Sozialismus, Familienserie – wie kann das zusammen gehen? Für Florian Lukas, der in "Weißensee" eine preisverdächtige Leistung hinlegt, kein Problem. "Solange es glaubwürdig ist und so lange man keine groben inhaltlichen Fehler macht, können zeitgeschichtliche Filme ein Denkanstoß sein, um eigene Erinnerungen mit anderen Menschen auszutauschen oder seine eigenen Erfahrungen zu erzählen. Ich sehe in einer Serie wie „Weißensee“ mehr einen Gesprächsanlass als ein historisches verbürgtes Dokument." mehr
Der neue Film von Markus Imboden bedient das Dorfkrimi-Genre auf ungewöhnliche Weise, spielt mit Gewalt, Humor und ist deutlich inspiriert von den Filmen der Coen-Brüder. Im Interview verrät der Schweizer Regisseur, was die Nordsee und das Berner Oberland gemeinsam haben, was an seinem neuen Film "Anti-Genre" ist, warum die Musik anders klingt, als in anderen Fernsehfilmen, wie er den Dreh mit der todkranken Barbara Rudnik empfunden hat oder was er mit ein, zwei Drehtagen mehr hätte besser machen können. mehr
Außer Schafen und ein paar Dösköppen scheint es nicht viel zu geben auf dieser Nordseeinsel – bis ein paar Killer für Abwechslung sorgen. Elf Leichen, das ist eine runde Sache – und der hoch verschuldete Inselbestatter kann aufatmen. „Mörder auf Amrum“ von Holger Karsten Schmidt und Markus Imboden ist aber auch für den vom Fernsehkrimi übersättigten Zuschauer eine willkommene Abwechslung zwischen Brutalität, Lakonie und Wahnwitz. mehr
In “Küss mich, Kanzler!” entwirft ein Was-wäre-wenn-Szenario. Autor Kirdorf interessiert sich nicht für den realen Kanzler, sondern für das amüsante Spiel mit den Möglichkeiten und mit einer Moral, von der Politiker meist nur reden. Und er zeigt, wie “wichtige” Menschen den Boden der Tatsachen und den Blick für die kleinen Dinge des Lebens verlieren können.Die Pämisse dieser Komödie: Wer richtig liebt – der kann nur gute Politik machen! mehr
"Lottoschein ins Glück" (2003, 3sat, 20.15 Uhr). "Tatort – Ruhe sanft" (2007, SWR, 20.15 Uhr). "Alphamann – Die Selbstmörderin" (1999, HR, 23.30 Uhr). mehr
Eine Zwölfjährige bekommt eine Ahnung von den schweren Dingen des Lebens. Wenn der MDR mit dem ORF – dann wird meist die Kitsch-Schublade geöffnet. „Die Zeit der Kraniche“ ist die Ausnahme von der Regel. Zwar ist die Moral einfach gehalten, doch das ist die passende Gangart. Silke Zertz hat die Geschichte ganz auf ihre kleine Heldin zugeschnitten. Und Stella Kunkat trägt den Film sicher über alle melodramatischen Fallstricke hinweg. mehr
Irgendetwas steht zwischen Vater und Tochter. Als mehrere Freunde aus ihrer früheren Clique brutal ermordet werden, ahnt die junge Heldin das Schlimmste. Besser gut geklaut als schlecht erfunden. Ein bisschen “Scream”, ein bisschen “Der weiße Hai”, am Ende sogar ein Hauch von gotischem Horror. Schwachpunkt: der Plot. Hingucker: Lavinia Wilson. mehr
"Lutter – Toter Bruder" (2008, ZDF neo, 21 Uhr). "Tatort – Freunde" (1986, WDR, 23 Uhr) mit Klaus Wennemann. "Polizeiruf 110 – Taximord" (2008, MDR, 23.05 Uhr). mehr
Die eine wäre beinahe im Jugendarrest gelandet, die andere war in der Psychiatrie. „Zimmer mit Tante“ ist eine angenehme Überraschung am Samstagabend. Ein Film, der aus der Reihe tanzt – nicht nur was den Sendeplatz angeht. Zwei Generationen im Nahkampf. Zwei Eigenbrötler auf der Suche nach Nähe, Bestätigung, Liebe. Degeto wegweisend! mehr
Sie hat schon so manches Rührstück vor dem Absturz bewahrt – mit ihren blauen Augen und ihrer natürlichen Frische. Der Hauch Grace Kelly, den ihr Gesicht verrät, kommt stärker auf Fotos zu tragen, im Film wirkt sie eher wie die nette Frau von nebenan. Nach "Die Gustloff" oder "Mogadischu" ist der ehemalige Soap-Star wieder im ganz leichten Fach gelandet. Dabei spielt sie klein gegen das große Banale an. Perfekt beherrscht sie jene leichte, beiläufige Spielart, mit der sie die Klischees der Handlung mit der Aura des Alltäglichen auflädt. mehr
Ein Urlaubsflirt endet mit einer Schwangerschaft. Da kommt eine Berliner Marketing-Expertin ins Grübeln, ob nicht der Sinn des Lebens in der spanischen Pampa liegt. Diesen seltsamen Genre-Mix möchte man eigentlich mögen: sympathisch gespielt, flott inszeniert, doch leider liegt diesem „Urlaub mit kleinen Folgen“ ein Drehbuch mit schweren Fehlern zugrunde. mehr
"Vollweib sucht Halbtagsmann" (2002, Eins Festival, 18.30 Uhr) mit Christine Neubauer. "Tatort – Das Ende des Schweigens" (2007, WDR, 20.15 Uhr) mit Axel Milberg. mehr
Kinder nervig, Partner zickig und dann auch noch ein Buchungsmissgeschick, das zunächst den Urlaub und dann zwei Ehen in Gefahr bringt. Wunderbare Erfahrungen für Protagonisten wie fürs Publikum. Leichter Stoff – witzig, spritzig, frisch und lebensnah erzählt. mehr
Kaukasischer Kreidekreis 2007. Wie fühlt es sich an für ein Kind, wenn plötzlich fremde Leute auftauchen, die behaupten, seine Eltern zu sein und die damit drohen, seine vermeintliche Mutter ins Gefängnis zu bringen? „Die andere Hälfte des Glücks“ zeigt eine emotional verfahrene Situation, aus der es offenbar keinen glücklichen Ausweg geben kann. Kein salomonisches Patentrezept, keine Schwarzweiß-Malerei. Nach einem realen Fall. mehr
Richy Müller, Felix Klare & Co treten kein allzu schweres Erbe an. Umso überraschender sind die Frische und die Power, mit der das neue Stuttgart-Team gleich von Beginn an zu Werke geht. Und das liegt nicht nur an zwei starken Schauspielern, sondern auch am Konzept, das biografische Fragen nur anreißt und die beiden Neuen gleich in ihren ersten Fall katapultiert. mehr