Das Pech klebt an den sexy-Hacken einer Geologin, die einem indischen Dorf das Wasser zurückzuholen versucht. Mit einem knuffigen Truckfahrer hat sie kräftige Verstärkung... Die Story ist ziemlicher Unsinn, die Handlung ein heilloses Durcheinander. Doch das anfängliche Fremdschämen und die Irritation ob der schlampigen Regie lassen zunehmend nach. Bei "Indisch für Anfänger" sollte man nicht zu genau auf die Logik der Handlung schauen, sondern besser auf die neckischen Stiefelchen und die „heißen Höschen“ von Wolke Hegenbarth. Oder man folgt dem letzten Trucker, der bärig seinen Mann steht, sich nach Strich und Faden verarschen lässt und den Henning Baum gewohnt gewinnend spielt. mehr
Eine Familie aus dem Ruhrpott knackt den Jackpot. Doch Millionär sein, macht keinen Spaß, wenn man das Lottogewinner-Dasein für sich behalten muss und sich vom Erträumten nichts leisten darf! Die WDR-Adaption eines ORF-Sitcom-Formats ist mindestens eine Klasse besser als das, was einige ARD-Sender am Vorabend ausprobieren. Hier reichen sich das Alte und das Neue gekonnt die Hand. Das ist Gute-Laune-Fernsehen für jung und alt. Das ist gut getimt, bestens besetzt und lässt sich süffig weggucken bei Bier und Schnittchen. mehr
"Die Spielerin" zeigt, frei nach Dostojewski, wie es gehen kann: Wie ein Mensch plötzlich vom Spiel gepackt wird. Wer einem Spieler glaubt ist selber schuld. Das System von Selbstbetrug und Lüge funktioniert besser als jede „Serie“, jede „Kolonne“, jedes „System“. Auch einem Film über Spieler kann man nicht glauben. Deshalb verzichten Breinersdorfer und Riedlsperger auf gut gemeinte Erklärungen. Ein Blick in Elsners Gesicht genüht. mehr
Zwei Menschen kommen über Jahre nicht zur Ruhe. Der eine ist ein Vater, der sich nicht damit abfinden kann, dass seine Tochter ermordet wurde und ihr Mörder nicht überführt werden konnte. Der andere ist der Täter, dem die Angst im Nacken sitzt. "Ein halbes Leben" erzählt die tragische Geschichte einer schicksalhaften Verbundenheit zweier Männer. mehr
Berlin ist immer eine Krimi-Reihe wert. Pro Sieben machte den Vorreiter in Sachen Action in der Hauptstadt. Fünf Jahre lang gab es „Die Straßen von Berlin“ um eine Ermittlergruppe der „Sonderkommission Organisierte Kriminalität“, die von einer toughen Staatsanwältin auf nicht immer ganz legitime Methoden einschgeschworen wurde. Setzte Staffel 1 vor allem auf große Namen, Hochspannung und einen für die damalige Zeit außergewöhnlichen Look, ließen es die Produzenten in Staffel 2 kräftiger knallen. Dafür brauchte man dann keine Stars mehr. mehr
Kleine Leute erleben große Weltgeschichte. Erzählt werden die Erlebnisse der weitverzweigten Familie Grandauer, in und um München herum von 1918 bis 1954. "Anschaulicher, lehrreicher und zugleich unterhaltsamer lässt sich Historie nicht ins fernsehfiktionale Gewand kleiden", schrieb die "FAZ". Es gab vier Grimme-Preise, darunter auch für Christine Neubauer, die zwischen 1987 und 1991 noch weit von ihrem Degeto-Image entfernt war. Erst 1997 fand die die Purucker-Serie ins Erste; davor lief sie im bayerischen Dritten. mehr
Das Serienglück des deutschen Fernsehens darf man von dieser MDR/ORF-Produktion nicht erwarten. Eine fesche Saniererin findet zu ihren Wurzeln zurück, sattelt um – und ist nun die neue Chefin eines traditionsreichen, tief verschuldeten Lippizaner-Hofs. Der Bruder, die beste Freundin, die Intriganten und der neue Lover warten schon. Der Zuschauer weiß, wo’s hingeht und genießt dieses Wissen. Sowas hat schon Oma und Opa gut gefallen. Der weniger solchen Stoffen geneigte Zuschauer wird sich indes für dumm verkauft fühlen! mehr
Katrin Saß (52) war ein Defa-Star und nach der Wende ein Niemand. In den 90er Jahren war sie „Polizeiruf“-Kommissarin – wegen Alkoholproblemen musste sie die Dienstmarke abgeben. Sie überstand ihre Krise und legte mit „Good Bye, Lenin“ ein großes Comeback hin. In „Liebe verlernt man nicht“ versucht sich die Schauspielerin nun im leichteren Fach. mehr
"Liebe verlernt man nicht" war ein Melo der besseren Sorte - nicht zuletzt wegen Katrin Saß. Dieses Gesicht, diese Stimme, dieser Mut zum Gefühl, das kann ein mittelmäßiges Melodram veredeln. Aber auch Stephan Luca gefiel als Objekt des weiblichen Begehrens. mehr
“Wichtig ist immer nur dein persönlicher Kram!”, schimpft Ulrike, die berufstätige Ehefrau des erfolgreichen Astrophysikers Prof. Julius Stern. Sie kann nicht mehr, sie will auch nicht mehr. “Unser Papa, das Genie” ist eine dieser typischen “eigentlich”-Geschichten. “Eigentlich sind die Sterns eine glückliche Familie”, heißt es im Pressetext. Was mit ein paar launigen Fantasy-Momenten folgt, ist das “Doch”. Friedrich von Thun müht sich redlich. mehr
Im 10. Fall therapiert Bloch einen Amnesie-Patienten, der sich gegen das Erinnern sperrt, als ob er etwas Schlimmes (be)fürchte. „Nicht mit Bloch trägt Albert einen Zweikampf aus, der Zweikampf findet in ihm selber statt“, so Autor Wiersch. Ein solcher Typus, zerrissen, mit Distanz zu sich und der Welt, in dessen Verhalten sich Erfahrung, Naivität & Überlebenswille zu einer reizvollen Mischung paaren, ist die ideale Rolle für einen wie Rudolf Kowalski. mehr
Harriet will sich nicht länger von ihren Eltern bevormunden lassen, die das Sorgerecht für ihren Sohn haben – noch. „Wer kein Ziel hat, wird nie ankommen“, heißt der Leitsatz von "Harriets Traum". Daraus ergibt sich eine sympathische Suche nach dem richtigen Lebensweg und nach Glück. Es geht um Harmonie, um Konsens, der teilweise über die Konventionen des Genres aber auch über Einsicht hergestellt wird. Die Aussteiger-Freundin, kernig gespielt von Ulrike C. Tscharre, ist die lebendigste Figur des Films. Drei dunkle Sterne auch für Wanda Colombina, ein unbeschriebenes Gesicht mit Natürlichkeitssiegel. mehr
Endlich mal wieder ein packender Klasse-„Tatort“ aus Stuttgart: „Spiel auf Zeit“ setzt das Duell zwischen Cop Lannert und dem von Filip Peeters beeindruckend schurkisch-cool gespielten Edelbösewicht Victor de Man wendungsreich fort. Alles dreht sich und dreht sich, nichts ist vorhersehbar in diesem Action-haltigen Polizeifilm, der eine außergewöhnliche Spannung besitzt zwischen leise und laut, zwischen Job und Privatleben, zwischen Gewalt und Liebe. Top-Buch: Holger Karsten Schmidt. Nuancierte Regie: Roland Suso Richter mehr
Ein Schwerkrimineller bricht aus – und scheint auf Rache zu sinnen. Doch eine junge Polizistin durchkreuzt die Pläne. Wendungs- und perspektivenreicher Krimithriller, der sich vom gängigen Dramaturgie-Konzept für dieses TV-Genre klug emanzipiert. Spannender als der Zweikampf zwischen dem Ex-Häftling und dem Ex-Bullen ist der Generationenkonflikt, der vom Geschlechterkonflikt überlagert wird. In „Tod einer Polizistin“ schlägt den Dirty Machos ihr letztes Stündlein. Eine junge Frau (stark: Rosalie Thomass) stiehlt ihnen die Show. Klar fotografiert, auf Spannungsfluss geschnitten, nicht zu cool, nicht zu edel! mehr
Für seinen 75. „Tatort“ hat sich der BR ein Schmankerl ausgedacht. Aufgeklärt werden müssen Morde aus dem Rotlicht-Milieu von vor 42 Jahren. Erst jetzt wurde die Tatwaffe gefunden. Großartige Idee, komplexes Buch, stilvolle Inszenierung, tolle Urgesteine. mehr
„Mensch Mama!“ Mütterlicher Kontrollfreak will ihren Midlifekrisen-geschüttelten Gatten mit der verheimlichten Lotto-Million die Lust am Leben zurückgeben. Nett – aber doch ziemlich ausgedacht. Trotz Birge Schade und Götz Schubert springt in dieser Geschichte, die als märchenhafte Versuchsanordnung einen gewissen Reiz hat, der Funken nicht über. mehr
Bedrohlich hängt der Gletscher über dem Tiroler Bergdorf. Während der Bürgermeister den Ausbau zu einem Skigebiet vorantreibt, legt sich die Stirn des zuständigen Glaziologen in tiefe Sorgenfalten. Klischeehafter Plot, dafür ist das Alpen- & Familiendrama stark inszeniert. mehr
Mick Brisgau will für "seine" Tanja mitdenken, doch die denkt gar nicht daran, sich bevormunden zu lassen. Auch im Privatleben der lieben Kollegen tut sich was und auf dem Revier ist Stühlerücken angesagt. Und stellt sich "Der letzte Bulle" auch zunehmend besser auf das Jahr 2012 ein, wird sein emotionales Verhalten vielschichtiger und scheint er mit den flapsigen Sprüchen vorsichtiger zu sein (oder ist den Autoren weniger eingefallen?), so ist er auch in Staffel 3 ein tougher Typ, der mit dem Bauch denkt und mit den Fäusten spricht. Und Henning Baum verschmilzt mit der Figur zur perfekten deutschen Serien-Schöpfung. mehr
Ein Asthmaanfall des Sohns wird zum Hilfeschrei, den nur die Mutter vernimmt – und in den gesunden Bergen zu neuen Ufern aufbricht... “Paradies in den Bergen” ist eine grob gestrickte TV-Romanze, die kein Klischee auslässt, um ihrer Feld-Wald-Wiesen-Freiheit-Ideologie einen wirkungsvollen Nährboden zu geben. Schir als Alm-Ösi, Buschhorn als schnurrendes, Lanz als fauchendes Kätzchen. Ganz nett: die Kritik an den modernen Umgangsformen. mehr
Die Anforderungen eines Hotels lassen sich leichter organisieren als die Befindlichkeiten der Familie Hofer. In der fünften Episode von „Der Schwarzwaldhof“ wälzen recht sympathische Figuren Probleme, die ihnen der Autor allzu offensichtlich ins Drehbuch geschrieben hat. So solide erzählt und von Saskia Vester und Michael Fitz angenehm alltagsnah gespielt das Ganze auch ist, so überzogen wirkt die Häufung der kleinen Dramen im Rahmen eines 90-Minüters. „Der verlorene Sohn“ bietet genügend Konfliktstoff für die halbe Staffel einer Serie. mehr