Ein überragender Mai mit zahlreichen Premieren statt den üblichen (vor)sommerlichen Wiederholungen. "Tatort" top, "Polizeiruf 110" dito, zwei ARD-Freitagsfilme, unterschiedlich im Genre, doch gleichermaßen überzeugend. Mehr als zwei gute Komödien. Und das TV-Ereignis des Monats: Nikolaus Leytners "Die Auslöschung" mit Klaus Maria Brandauer & Martina Gedeck, ein Schauspielerfilm erster Güte, bei dem auch alles andere stimmt. mehr
Von unausgereiften Achterbahnen ist viel die Rede in „Marie Brand und die letzte Fahrt“. Unausgereift ist auch der Plot, ein simpler Whodunit mit reichlich falschen Fährten. Das reizvolle Schausteller-Milieu hält für die Geschichte leider nicht das, was es verspricht. Nach wie vor ein viel versprechendes Krimi-Pärchen aus der dezenten Augenzwinker-Abteilung – aber nicht mit solchen Fällen und nicht ohne Hinnerk Schönemanns Körpereinsatz. mehr
Da sitzt Ehemann Ludwig kurz vor dem 20. Hochzeitstag, ein blondes, sehr, sehr junges Mädel an seiner Seite, und vis-à-vis Ehefrau Jackie: „Ich würd’s dir gern leicht machen, indem ich zum Beispiel sage, es liege nicht an dir, da bin ich aber ein schlechter Lügner.“ Aus & vorbei und Jackie beginnt frech ein neues Leben. Entwaffnend komisch: Elfi Eschke! mehr
Was am Arbeitsplatz beginnt, endet im Fernsehfilm „Mobbing“ in der Familie. Mobbing ist ein sozialer Zersetzungsvorgang. Ängste, Projektionen, Demütigungen lassen am Ende auch die Liebe sterben. Der fein akzentuiert inszenierte Film von Nicole Weegmann nach dem konzentrierten Buch von Eva & Volker A. Zahn ist auch ein höchst aufschlussreicher Film über die „Entliebung“ eines Ehepaars. Susanne Wolff und Tobias Moretti gelingt ein furioses Doppel. Sie können sich hinter nichts verstecken: keinen anderen Figuren, keinen Genre-Ritualen, keinem Alltagsgeplänkel. Beziehungshorror zweier angeschlagener Seelen. mehr
Der Berliner „Tatort“ startet durch. Nach der originellen Hitchcock-Reminiszenz begeben sich Ritter und Stark ins Kunst-Milieu. Der Mythos vom leidenschaftlichen Künstler wird nicht lange bemüht. Max von Thun liegt bald wie ein Kunstobjekt am Tatort: ein toter Fisch in Aspik. Ein großartig besetzter Film, kriminalistisch und vor allem ästhetisch spannend, voller kleiner, tiefer Wahrheiten und mit zwei nachdenklichen Kommissaren ohne Buddy-Pose. mehr
Aus einem Wochenende am Wolfgangsee ergibt sich eine zweite Chance zum Liebesglück für einen Wiener Weißkittel-Casanova und eine prominente Kochbuchautorin. Die Zielgruppe könnte ihren Spaß haben. Zwei Hauptfiguren mit großem Identifikationspotenzial. Ein Soundtrack mit hohem Nostalgieeffekt. Die Unterhaltungsprofis Fritz Wepper und Gila von Weitershausen bringen das Filmchen ohne größere Peinlichkeiten über die Runden. mehr
Lisa verlässt Felix und zieht bei Edgar und Chris ein, bevor der Verlassene dazu zieht und in der Vierer-WG den Hausmann gibt... „Vier sind einer zuviel“ ist eine romantische Komödie, die sich wenig von Hollywood-Wohlfühlfilmen dieses Genres abgeguckt hat, sondern deren Vorbilder im französischen Arthaus-Kino zu finden sind. Die situationskomischen Muster der Liebe dominieren über die Psychologie der Figuren und die dramaturgischen Stereotypen des Glücks. Ein bisschen bemüht, dramaturgisch aber unkonventionell & sehr sexy besetzt! mehr
Die Wirrnisse des Erwachsenwerdens in 90 Minuten. 13 Semester im Schnelldurchlauf. Das ist dramaturgisch nicht gerade originell, gute Laune macht "13 Semester" dennoch reichlich. Der Debütfilm von Frieder Wittlich besitzt durchaus ernsthafte Ansätze in Richtung Selbst-Suche. Neben Klischeehaftem besitzt der Film wunderbare, kleine Szenen, die etwas von den verschiedenen Stimmungslagen des Studentendaseins vermitteln. Und die Besetzung ist mit Max Riemelt, Alexander Fehling, Claudia Eisinger und Robert Gwisdek nahezu perfekt. mehr
Im Mittelpunkt dieser launigen Romantic Comedy stehen eine Werbedesignerin und ein wohlhabender, höchst heiratswilliger italienischer Geschäftsmann, den die Auserwählte für einen Eisverkäufer hält... Eine Romantic-Comedy fragt nicht nach Logik. Und so kann sich der Zuschauer entlanghangeln an den Irrungen und Wirrungen des Single-Liebeslebens, den Missgeschicken und Missverständnissen und allerlei komischen Situationen. Ein emotional erwärmendes Fernsehvergnügen mit einer bezaubernden Stefanie Stappenbeck. mehr
Im zweiten Fall nun zeigt die Leistungskurve ein wenig nach oben. Henry Hübchen darf seinem rastlosen Oberzyniker auch etwas Charisma mitgeben, die kleinen familiären Scharmützel sorgen für situationskomische Abwechslung und Triest ist endlich – heiß. Über den Typ Hübchen tritt die Spannung in den Hintergrund. Die stereotype Handlung ergeht sich im Kleinklein. Es fehlt die Linie, es fehlt der Stil. Sigi Rothemund schrieb das Drehbuch. mehr
Todkranker Gatte will die Frau nach seinem baldigen Ableben versorgt wissen. „Suche Mann für meine Frau“ ist eines jener Freitagslustspiele, in denen Vorhersehbarkeit oberstes Gebot ist. Drei, vier Missverständnisse an der richtigen Stelle und das Verwechslungskomödien-Maschinchen läuft – dank Deutschmann, Szyszkowitz, Naujoks & Schafmeister. mehr
Aufruhr der Gefühle, Aufstand des Unterleibs. Die 95 Minuten werden im Gegensatz zu vielen anderen Klassiker-Verfilmungen nicht lang. Calis geht einen konsequenten Weg. Ob das viele junge Zuschauer sehen wollen, ist fraglich. An den Themen jedenfalls dürfte es nicht liegen. Es ist alles drin, was Teenager antreibt: Liebe, Sex, Selbstfindung – und was sie ankotzt: Eltern, Schule, die Zukunft. „Das Leben ist Geschmackssache. Mir schmeckt’s nicht.“ mehr
Ein verrücktes Huhn, Ende 30, findet weder den richtigen Mann noch die richtige Haltung zum Leben. Darunter leiden ihre drei Kinder, besonders die Teenager-Tochter. So wie sich Tragik & Komik in „Fliegende Fische müssen ins Meer“ durchmischen, so ist auch die Handlung in unterschiedlichen Genres zuhause: Eine „Dramödie“ nennt Güzin Kars ihr Debüt. Das Komisch-Grelle und das Ernsthaft-Emotionale faszinieren einzeln, gehen aber nicht immer zusammen, was man vom Traumpaar Becker/Schlott nicht behaupten kann! mehr
Es wird nun doch nichts aus Köln – Sophie Haas bleibt der Eifel erhalten und Hengasch in leidenschaftlicher Hassliebe verbunden. 13 neue, skurrile Geschichten um das Provinz-Revier mit Phlegma-Dietmar und Wirbelwind Bärbel stehen dem Schmunzel(krimi)fan ins Haus. Wunderbar: Caroline Peters massiver Gesichtseinsatz & Bjarne Mädels köstlich entschleunigte Körpersprache. Das Beste, was der ARD seit langem in Sachen Serie eingefallen ist. mehr
“Die Rechtsanwaltsgeschichten sind mehr der äußere Rahmen”, betont Christoph M. Ohrt. An seiner Seite ein relativ unbekanntes Gesicht: Rebecca Immanuel. Die beiden spielen zwei Kollegen einer Berliner Anwaltskanzlei am Prenzlauer Berg. Ein Team für alle Fälle. Der augenzwinkernde Schlagabtausch zwischen den Geschlechtern ist das Herz der Serie. Mitunter lässt die Screwball Comedy grüßen. Wiederholt wird die Sat-1-Serie vom NDR mehr
Pilcher oder Thriller? Wer von der Charlotte-Link-Verfilmung „Das andere Kind“ ein packendes, spannendes „Event“-Movie erwartet, kann nur enttäuscht sein. Der Zweiteiler leidet darunter, dass der zentrale Erzählstrang immer wieder zerfasert. Außerdem verliert die Geschichte am Ende von Teil 1 ihre interessanteste Figur und damit auch die sehenswerteste Schauspielerin. Marie Bäumer und Hannelore Hoger machen ihre Sache so gut es der Rahmen erlaubt. Uneingeschränkt überzeugen nur Martin Kukulas Bilder. Da war mehr drin! mehr
Bäuerin Elli wird unverhofft Witwe, nimmt sich einen „Neger“ in Haus und Stall, mit dem sie auch noch ehelicht. Das bayerische Dorf steht Kopf... Thomas Kirdorfs Geschichte ist sicher nicht unvorhersehbar, hat aber interessantes Personal zu bieten. Die Bildsprache ist umso überdrehter – was interessant ist, sich aber gelegentlich verselbständigt. Eine handwerklich runde Sache, das Ensemble überzeugend & Speidel macht sich gut auf dem Traktor! mehr
Die Streitbarkeit der Bayern war der Ausgangspunkt für Franz Xaver Bogner, die Serie „Café Meineid“ zu entwickeln. Der Kleinbürger & seine Lebensart stehen vor dem Kadi. Verhandelt werden die kleinen Dramen des Alltags. Die Menschen, nicht die Fälle stehen im Zentrum. „Café Meineid“ bezieht sich auf einen der Schauplätze, die Kantine des fiktiven Münchner Amtsgerichts. Skurril, humorvoll, dichte Dialoge. Auch heute noch ein Vergnügen! mehr
Der neue Psychologe im ZDF heißt "Flemming". Gregor Edelmann, preisgekrönter Autor von "Der letzte Zeuge", hat ihn angelegt als Anti-Bloch, als einen, der zur Psychologie verführt, der die nonverbalen Zeichen eines Menschen liest und davon auf dessen inneren Zustand schließt. Das macht ihm und seinen Nächsten das Leben nicht immer leicht. mehr
Cenk Batu schleust sich in eine islamistische Terrorzelle ein, um einen Bombenanschlag zu verhindern. „Der Weg ins Paradies“ ist ein ungewöhnlicher „Tatort“. Lars Beckers Film lebt anstatt von einem Whodunit vom sich langsam, atmosphärisch aufbauenden Thrill einer Undercover-Aktion mit einem völlig unberechenbaren Gegner. Hochspannend die Schluss-Halbestunde. Das ist typisch Lars Becker: nicht immer logisch, aber hoch effektiv, gut erzählt, stimmungsvoll fotografiert, klar montiert, bestens besetzt, doppelbödig gespielt. mehr