Ein überragender Mai mit zahlreichen Premieren statt den üblichen (vor)sommerlichen Wiederholungen. "Tatort" top, "Polizeiruf 110" dito, zwei ARD-Freitagsfilme, unterschiedlich im Genre, doch gleichermaßen überzeugend. Mehr als zwei gute Komödien. Und das TV-Ereignis des Monats: Nikolaus Leytners "Die Auslöschung" mit Klaus Maria Brandauer & Martina Gedeck, ein Schauspielerfilm erster Güte, bei dem auch alles andere stimmt. mehr
Das neckische Treiben am Tag vor der Heirat, bei dem sich erwachsene Menschen wie pubertierende Trottel benehmen, ist recht eindeutig vom Klassiker "Die Nacht vor der Hochzeit" mit Cary Grant, Katherine Hepburn und James Stewart inspiriert. Die Parallelen zum Komödien-Hit „Die Hochzeit meines besten Freundes“ mit Julia Roberts und Cameron Diaz sind noch augenscheinlicher. Leider wird in Sat 1 mehr gekuschelt als intrigiert. mehr
Petra Winter ist eine Person, die alles besser weiß. Dass sie dabei oft Recht hat, macht sie nicht beliebter – weder beim Kollegium noch bei ihren Schülern. Doch durch den gelungenen Doppelpass mit einem lockeren Hausmeister gewinnt die Lehrerin Lust und Gelassenheit und die Erfahrung, dass preußische Disziplin nicht alles ist... Thekla Carola Wied ist die Ideal-Besetzung. Und Peter Sattmann als sächselnder "Sturmpartner" ist (fast) nicht peinlich. mehr
Eine junge, vorwitzige Großstadtjournalistin trifft auf einen kauzigen Ex-Kommissar. Schauplatz: Schwäbische Alb. Autoren: die “Tatort“-Münster-Erfinder Stefan Cantz und Jan Hinter. Für den dramaturgisch engen „Heiter bis tödlich“-Rahmen ist „Fuchs und Gans“ eine recht gelungene Vorabendserie. Mira Bartuschek nutzt den Raum, den man ihr lässt, agiert frisch und frech, und Routinier Peter Bongartz ist der geerdete Mitspieler. Geht doch! mehr
Action Concept hat aus Abenteuerfilm, Komödie & Baller-Movie einen Mix unter afrikanischer Sonne zusammengeschüttet, der nie funktioniert. Die Übergänge zwischen den Tonlagen holpern, die Bilder stolpern, die Klischees sind peinlich, die Gags sind billig, die Musik eine Qual. Allein Wolke Hegenbarths laute, derbe Art schreckt einen aus dem Halbdämmer. mehr
„Schatten der Erinnerung“ ist ein rustikales Wohlfühl-Öko-Bergdrama nach Motiven von Ludwig Ganghofer. Das Holzschnittartige der Story passt zum Genre. Ein Faible muss man schon haben für die Berge und für eine Melodramatik, die sich zwischen bodenständigen Archetypen und klein karierten Anachronismen bewegt. Solides Melo-Bergdrama! mehr
„Ein Kind, kein Mann, kein Geld und jede Menge Träume!“ Die Tagline zu „Blond bringt nix“ bringt es perfekt auf den Punkt. Drei grundverschiedene „Heldinnen“, drei ähnliche Schicksale, drei wunderbare Schauspielerinnen, gute Kinderdarsteller. Es geht um Frust und Verzweiflung, um Freundschaft und Frauensolidarität. Die Wendung ins Hoffnungsvolle tut dem Film gut. Nur mit der Kameratechnik liegt diese Produktion völlig daneben. mehr
Wie bei der Heldin in ihrem Wohnbunker so sucht man auch bei diesem Film vergeblich nach einer Seele. Es ist gefühlt der 999. Film nach „Jenseits von Afrika“, in dem ein Europäer auf dem schwarzen Kontinent seine kleine Erleuchtung findet. Drei gute Schauspieler, eine grandiose Landschaft, ein Licht, das jeden Fotografen entzückt, ein Drehbuch, dem einige Genre-Optionen offen stehen. Doch was macht die Autorin? Sie gibt von allem etwas: ein bisschen Melodram, etwas Abenteuerfilm, eine Spur Krimi und ein Hauch Komödie. mehr
Zum achten Mal ermittelt der Münchner Psychologe mit dem Tochterkomplex in Sachen Mord. „Das Ende vom Lied“ ist nicht der schlechteste Schmunzelkrimi der losen ARD-Reihe. Das Milieu macht’s. Die Klischee beladene Schlagersänger-Branche ist ein guter Ort für einen Krimi, der ausschließlich und ziemlich bewusst aus Klischees zusammengebastelt ist. Ansehnlich besetzter, dramaturgisch passabler Unterhaltungskrimi ohne jeden Anspruch. mehr
Eine Wiener Ärztin findet in der Wüste zu ihrer Bestimmung zurück und verliebt sich in einen Beduinenfürsten. Fast zu schön, um wahr zu sein: diese Wüstenbilder, diese arabischen Weisheiten, dieser romantische Culture-Clash. „Die Wüstenärztin“ lässt sich auf das morgenländische Abenteuer ein. Ein Faible fürs Melodram sollte man bei diesem von Jörg Grünler stark inszenierten, stimmig besetzten Film nach dem Buch von Martin Rauhaus schon mitbringen. Die Weite, der Sand: alles zielt – knapp am Kitsch vorbei – ins Universale. mehr
„Neue Adresse Paradies“ zeigt, wie’s gehen kann – mit dem materiellen Niedergang, dem Prinzip Gemeinschaft und dem Besinnen auf emotionale Werte. Diese komödiantische Versuchsanordnung ist zwar allzu sehr auf Happy End getrimmt, auch wird das Wohlfühl-Maschinchen überdeutlich mit „Herzkino“-Momenten angetrieben, doch der Umgang mit der „Schande“ ist gelungen, das Kabinett schräger Typen und Situationen ist klasse und wenn Martin Brambach auf die Gefühlstube drückt, kriegt selbst der Coolste feuchte Augen. mehr
In dem Bauch einer Mutter wächst ein gentechnisch manipuliertes Baby heran. Eine komplizierte "Kommunikation" zwischen Mutter und Kind, ein unter dem Deckmantel der Wissenschaft geschmiedetes Komplott. Ann-Kathrin Kramer als Friseuse, die zu oft "Erin Brockovich" gesehen hat und von Thun als "mad scientist". Interessant gescheitert. mehr
„Schade um das schöne Geld“ ist eine versiert gebaute, als Reigen arrangierte verschmitzte Ostfriesland-Komödie um frischgebackene Lottomillionäre, die schadenfroh herumgeizen und dafür am Ende gehörig aufs Kreuz gelegt werden. Lars Beckers Film um Habgier, List und Lust ist ein Unterhaltungskleinod in einer komödiantisch toten Fernsehfilmlandschaft. mehr
Er lässt sich gut gucken, dieser "Tatort" zum 20. Dienst-Jubiläum. Auch wenn der Autor etwas zu ungeniert herumtrickst. Thomas Sarbacher und Corinna Harfouch sind eine sichere Bank. Sie und Ulrike Folkerts bringen Physis und Sinnlichkeit ins rätselhafte Spiel. mehr
Die Serie, die aussieht wie ein Zwilling der RTL-Serie „Post Mortem“, basiert auf einer gleichnamigen italienischen Erfolgsserie, die ihrerseits stark an „CSI“ angelehnt ist. Die Optik aber sieht aus, als hätte man ein Computerprogramm mit den Stilmitteln von „24“ gefüttert. Jump-Cuts, Zeitraffer, Zeitlupe, Flashbacks, Freeze-Frames, Split-Screen: alles da. Spannend, gut besetzt und dramaturgisch dicht erzählt, sind die ersten Folgen auch noch! mehr
Das Pech klebt an den sexy-Hacken einer Geologin, die einem indischen Dorf das Wasser zurückzuholen versucht. Mit einem knuffigen Truckfahrer hat sie kräftige Verstärkung... Die Story ist ziemlicher Unsinn, die Handlung ein heilloses Durcheinander. Doch das anfängliche Fremdschämen und die Irritation ob der schlampigen Regie lassen zunehmend nach. Bei "Indisch für Anfänger" sollte man nicht zu genau auf die Logik der Handlung schauen, sondern besser auf die neckischen Stiefelchen und die „heißen Höschen“ von Wolke Hegenbarth. Oder man folgt dem letzten Trucker, der bärig seinen Mann steht, sich nach Strich und Faden verarschen lässt und den Henning Baum gewohnt gewinnend spielt. mehr
Eine Familie aus dem Ruhrpott knackt den Jackpot. Doch Millionär sein, macht keinen Spaß, wenn man das Lottogewinner-Dasein für sich behalten muss und sich vom Erträumten nichts leisten darf! Die WDR-Adaption eines ORF-Sitcom-Formats ist mindestens eine Klasse besser als das, was einige ARD-Sender am Vorabend ausprobieren. Hier reichen sich das Alte und das Neue gekonnt die Hand. Das ist Gute-Laune-Fernsehen für jung und alt. Das ist gut getimt, bestens besetzt und lässt sich süffig weggucken bei Bier und Schnittchen. mehr
"Die Spielerin" zeigt, frei nach Dostojewski, wie es gehen kann: Wie ein Mensch plötzlich vom Spiel gepackt wird. Wer einem Spieler glaubt ist selber schuld. Das System von Selbstbetrug und Lüge funktioniert besser als jede „Serie“, jede „Kolonne“, jedes „System“. Auch einem Film über Spieler kann man nicht glauben. Deshalb verzichten Breinersdorfer und Riedlsperger auf gut gemeinte Erklärungen. Ein Blick in Elsners Gesicht genüht. mehr
Zwei Menschen kommen über Jahre nicht zur Ruhe. Der eine ist ein Vater, der sich nicht damit abfinden kann, dass seine Tochter ermordet wurde und ihr Mörder nicht überführt werden konnte. Der andere ist der Täter, dem die Angst im Nacken sitzt. "Ein halbes Leben" erzählt die tragische Geschichte einer schicksalhaften Verbundenheit zweier Männer. mehr
Berlin ist immer eine Krimi-Reihe wert. Pro Sieben machte den Vorreiter in Sachen Action in der Hauptstadt. Fünf Jahre lang gab es „Die Straßen von Berlin“ um eine Ermittlergruppe der „Sonderkommission Organisierte Kriminalität“, die von einer toughen Staatsanwältin auf nicht immer ganz legitime Methoden einschgeschworen wurde. Setzte Staffel 1 vor allem auf große Namen, Hochspannung und einen für die damalige Zeit außergewöhnlichen Look, ließen es die Produzenten in Staffel 2 kräftiger knallen. Dafür brauchte man dann keine Stars mehr. mehr