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Rainer Tittelbach
„Die Sterneköchin“ gehört zu jener Sorte von Filmen, die man gerne öfters sehen würde im Fernsehen. Eine unaufgeregte, kleine Komödie, die das Leben und das Unterhaltungsbedürfnis des Zuschauers gleichermaßen ernst nimmt. Was zunächst in die Richtung „Reichtum macht nicht glücklich“ geht, schwenkt bald um in eine unprätentiöse Selbstfindungsgeschichte. mehr
„Vier Minuten“ war eine Kino-Überraschung der letzten Jahre. Abgesehen von dem psychologisch etwas übermotivierten Drehbuch ist dieses Gefängnisdrama mit Hang zur großen Gefühlsoper ästhetisch ein kleines Meisterwerk. Wie sich eine preußische Klavierlehrerin und ein freakiges Wunderkind, das wegen Mordes einsitzt, kontrollieren, so disziplinieren sich auch die beiden großartigen Schauspielerinnen auf furiose Weise. mehr
Eine Staatsanwältin fühlt sich in die Enge getrieben und gesteht den Mord an ihrem Mann. Doch das Geständnis steckt voller Ungereimtheiten. Für eine andere Staatsanwältin der ideale Fall, um sich zu profilieren... Psychodramen-Experte Detlef Michel („Die Quittung“) entwirft eine wendungsreiche Handlung, ohne einen allzu böse an der Nase herumzuführen. mehr
Dorfpolizist Burck lässt oft Gnade vor Recht ergehen – zu oft, findet seine neue Kollegin. Doch das soll sich ändern, als die Dorfschöne Nina tot aufgefunden wird. Die Ingredienzien von "Mörderische Erpressung" scheinen wohl bekannt, doch man spürt früh, dass hier anders erzählt wird als in den Krimireihen aus der Provinz. Mit „Tatort“-Realismus hat das wenig zu tun. Schönemann übte hier bereits für den Krimi-Western "Mörder auf Amrum". mehr
Eine Frau wird durch ihre Schwangerschaft damit konfrontiert, dass sie ihr erstes Kind einst, als sie selbst noch fast ein Kind war, zur Adoption frei gegeben hat. Plötzlich spürt sie eine große Sehnsucht nach ihrem verlorenen Sohn. Lebensnah, wahrhaftig, multiperspektivisch erzählt, mit einem schlüssig-flüssigen Realismus und einer starken Lisa Martinek. mehr
Wenn die 23-jährige Lotta es schafft, ein sechswöchiges Praktikum in einem Altenheim durchzustehen, dann hilft ihr der Vater bei der Finanzierung eines Schauspielstudiums. Autor Stefan Rogall packte die Selbstfindungsgeschichte einer flippigen jungen Frau, die sich von ihren Erfahrungen mit Krankheit und Tod eines Besseren belehren lässt, ins Gewand einer Wohlfühltragikomödie. Nach Start-Problemen kommt der Film in die richtige Spur. mehr
Bei den Lackners hängt der Haussegen schief. “Ich wette, wenn du den Haushalt hier führen müsstest, dann würden wir spätestens in einem Monat im absoluten Chaos leben”, wettert die Herrin des Hauses. Da hält der Ehemann dagegen: “Und ich wette mit dir, wenn du die Firma leiten müsstest, dann wären wir spätestens in einem Monat pleite.” Topp, die Wette gilt! mehr
Wer kennt sie nicht, diese kleinen, gut gemeinten Familienfeste, die im Seelenstriptease enden, im Chaos oder nur in einem großen Krach. Mit "Alles Liebe" ist Beate Langmaack und Kai Wessel ein Meisterstück des Genres gelungen. Da stimmt die Dramaturgie, die dem Alltags-Rhythmus abgelauscht ist, die Handlung, die ohne dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit auskommt, und die Besetzung mit Elsner und Eichhorn als ungleichen Frontfrauen. mehr
Ähnlichkeiten zwischen von Borsody/Fendel und ihrem Rollen-Paar konnten die beiden Schauspielerinnen kaum ausmachen. Die realen Frauen sehen sich beide als sehr dominante Persönlichkeiten, während in “Mensch Mutter” allein die alte Dame die Hosen an hat. Ein leiser, hoch sensibler, anrührender Film. Das Richtige für nachdenkliche Wintertage. mehr
In “Die Rückkehr des Tanzlehrers” berührte Henning Mankell ein heikles Thema: das Verhältnis Schwedens zum Nationalsozialismus. Tobias Moretti spielt Wallander-Nachfolger Stefan Lindmann, einen schwermütigen Krebspatienten, der den Mord an seinem Mentor aufklären will. Wortkarg, bilderstark, atmospärisch und Moretti wie immer saugut. (Der 2. Teil ist zu sehen auf Eins Festival am 12.9., 20.15 Uhr, und am 18.9., 0.25 Uhr) mehr
Dellwos & Sängers letzter HR-"Tatort". Ein erwartungsgemäß ungewöhnlicher Fall: Ex-Chef Fromm steht unter Mordverdacht. Dennoch verabschieden sich die "Tatort"-Tiefgründler zwischenzeitlich geradezu launig (und selbstreferentiell) von ihren Zuschauern. mehr
Zwei Egoisten, die sich dem Pensionsalter nähern und sich benehmen wie dumme Teenies, ist ein gefundenes Fressen für die Hauptdarsteller. Beiden zuzuschauen, dem als Po-mit-Ohren Gescheitelten George und der resolut gestylten Wied, ist auch ohne geschliffene Dialoge ein kleines Fest für Fans der gehobenen Boulevardkomödie und mehr als die halbe Miete. mehr
„Du bist nicht allein" ist Erinnerungsfernsehen, ein Stück westdeutsche Populärgeschichte. Hier ist alles „authentisch“, vom Porsche bis zur Zwiebackpackung. Stimmungsvoll ist neben der Ausstattung auch die Musikdramaturgie. Der Beat nimmt den Zuschauer mit in die Zeit und kündet von Gerd Höllerichs ungestillter Sehnsucht nach einem anderen Sound. mehr
Der SWR gibt sich regional. Rheinland-Pfalz ist im Filmbereich unterbelichtet. Also hat man sich die Grundidee der Serie „Mord mit Aussicht“ ausgeliehen, die Eifel ein wenig auf Hochglanz gebracht, die Sticheleien gegen das Provinzielle in regionales Selbstbewusstsein umgemünzt und daraus „Der Bulle und das Landei“ gestrickt. Harmlos & witzlos! mehr
Ein degradierter Abteilungsleiter um die 50 und ein jundynamischer Manager im direkten Konkurrenzkampf. Thematisch wildert "Trau niemals deinem Chef" im Pool der Gegenwart, komödientechnisch feiern die 1960er Jahre fröhliche Urständ. Eine überzogene Rhetorik der Missverständnisse und Figuren, die dümmer sind, als die Autorinnen erlauben sollten, macht diese 08/15-Komödie bei Zuschauern unter 50 zu einem Spiel mit der Fernbedienung. mehr
Ein "Kinderschänder", der allen um sich herum das Herz gebrochen hat, wird ins Koma geschossen. Dieser Bodensee-"Tatort" von Jürgen Bretzinger wird von Minute zu Minute spannender, dichter, packender. Man wird hineingezogen in die Psychologie zahlreicher Opfer-Geschichten und gerät in ein emotionales Wechselspiel aus Rache und Verzeihen. mehr
„Stille Post“ wird erzählt aus der Perspektive der Lehrerin. Wie geht sie damit um, dass ihr ein Schüler seine Liebe gesteht? Wie reagiert sie, als die Öffentlichkeit ein Verhältnis mit einem Schutzbefohlenen unterstellt? Nach dem Stille-Post-Prinzip – alles beginnt mit einem Gerücht – schaukeln sich die Konflikte hoch und sie drohen, in einer Rufmord-Tragödie zu enden. Kein Meisterwerk, aber temporeich inszeniert, modern fotografiert und stark gespielt! mehr
Ein pflegebedürftiger Familienvater wurde vergiftet. Um dem Krimi-Ritual Genüge zu tun, wird das Personal der Reihe nach durchleuchtet. Das ist alles dramaturgisch durchschaubar – und doch öffnen sich immer wieder Türen in eine ganz andere Geschichte um Alzheimer, Pflege und familiären Generationenvertrag. Anrührend besonders für die Baby-Boomer. mehr
Männer sind für Maja ein rotes Tuch. Aus Erfahrung wurde sie klug und wurde Scheidungsanwältin. Sie trifft ausgerechnet auf einen One-Night-Stand aus grauer Vorzeit. Und typisch, der erkennt sie nicht am Gesicht, sondern an ihren Brüsten. Gut aufgelegte Hauptdarsteller, ein paar ehrliche Zoten, ein Drehbuch, das viele Wünsche offen lässt. mehr
Depressive Bankersgattin bringt sich um. Hat man an ihr ein nicht zugelassenes Medikament ausprobiert, das sie in den Selbstmord trieb? Das behauptet jedenfalls eine Mitpatientin. Sitzt diese in der Psychiatrie, weil sie millionenschwere Pharma-Deals gefährdet? Oder hat sie eine gespaltene Persönlichkeit? Schema-F-Thriller, bei dem einem mit nur zwei "Alternativen", mit geringem formalem Bewusstsein und viel steriler Ästhetik die 90 Minuten lang werden. mehr