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Rainer Tittelbach
Vater ist ein Pflegefall. Was tun? Ihn abschieben in ein so genanntes „Pflegehotel“? Einen häuslichen Pflegedienst beauftragen? Oder selbst Hand anlegen und das zurückgeben, was man als Kind von den Eltern bekommen hat? Es gibt noch eine weitere Option, die allerdings ist illegal. Sensibilisierung für ein oft verdrängtes Thema auf hohem Niveau. Die Erzählweise hat die Grimme-Preisträgerin Laila Stieler wunderbar dem Leben abgelauscht. mehr
In einer Hamburger Firma für neue Technologien werden geheime Konstruktionspläne verschoben. Cenk Batu soll Beweise liefern und die Industriespione dingfest machen. Bald ist der Hauptverdächtige tot und der coole VE verliebt. Ein stilistisch überragender "Tatort". mehr
Zwei Fälle: der Amoklauf eines Arbeitslosen und das Horror-Szenario einer deutschen Familie. Margarethe von Trotta geht an die Grenzen – auch des Genres. „Unter uns“ bleibt dennoch Krimi, einer, den man auch in der Art, wie er gemacht ist, nicht so schnell vergisst. mehr
„Ich trag dich bis ans Ende der Welt“ klingt kitschiger, als diese Degeto-Produktion über weite Strecken ist. Ein Vater und seine erwachsene Tochter kommen sich beim Pilgern näher. Braves Melodram, gediegene Spanien-Bilder, überzeugendes Spiel von Elmar Wepper. mehr
Ein wunderbarer Film über die kleinen Leute ist Bernd Böhlich mit „Du bist nicht allein“ gelungen. Nach 15 Jahren Fernsehen wollte der zweifache Grimme-Preisträger mal dagegen halten. „Ich musste mir erst den Frust von der Seele schreiben“, erinnert er sich. mehr
„So ein Schlamassel“ erzählt eine interkulturelle Liebesgeschichte, wie man sie zuletzt im deutsch-türkischen Milieu gesehen hat. Es ist ungewöhnlich, dass sich ein Fernsehfilm so detailliert mit dem Leben einer gläubigen jüdischen Familie auseinandersetzt. Ohne „Alles außer Zucker“ wäre dieser Film wohl nicht produziert worden. Harmlose, perfekt besetzte Degeto-Komödie, die zumindest im Rahmen des Freitagsfilms ein Highlight darstellt. mehr
Die Neue ist eine moderne Frau, bei der man nicht das Gefühl hat, sie müsse das Konzept “moderne Frau” krampfhaft verkörpern. Sie ist eine kluge, eher etwas kühle Person, kein menschelndes Unwesen, keine künstliche Genre-Ikone. Eine, mit der zu rechnen ist. mehr
Sieben Menschen werden in einer Nacht mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Man sollte annehmen, die Vielzahl der schicksalsträchtigen Geschichten, die in einem Krankenhaus zusammenlaufen, würden den Zuschauer besonders belasten. Das Gegenteil ist der Fall. mehr
„Küss dich reich“ versucht wie das coolere Subgenre der romantischen Komödie, die Screwball Comedy, etwas von der spielerischen Doppelbödigkeit in Form überraschender Wendungen, komplexer Verwicklungen und situationskomischer Szenen in die ansonsten konventionelle Liebeskomödie einzubauen. Immerhin. Und Felicitas Woll und Kai Schumann sind schon ein ansehnliches Paar. Nur mit der dramaturgischen Feinarbeit hapert es. mehr
"Das Wunder von Wustermark" ist die Fortsetzung der „Polizeiruf“-Kriminalkomödie „Totes Gleis“. Wieder sind Ben Becker, Otto Sander und Horst Krause mit dabei, wieder haben Leo P. Ard und Michael Illner das Drehbuch geschrieben und wieder führte Bernd Böhlich Regie. Wie im Grimme-gekrönten Vorläufer ist die Dorfkneipe der Nabel der Wustermarker Welt. Dort baldowern die Kumpels Lansky, Dettmann und Sommer ein „Riesending“ aus. mehr
Die Komödie des preisgekrönten Werbefilmers Marc Malzke, entstanden nach dem Drehbuch von Grimme-Preisträger Lars Kraume, ist ein hübscher, kleiner Film über die urbane Liebe im Lebensalter der unbegrenzten Möglichkeiten. Lustvoll pendelt er zwischen Monogamie für Anfänger und Philosophie für Pessimisten. Reichlich Woody-Allen-like: Martin Glade! mehr
Freddy Schenk plagt das schlechte Gewissen. Er hat seine Großmutter in einem Altenheim einquartiert. Jetzt muss er dort auch noch wegen Mordes ermitteln. Pflegenotstand in deutschen Altenheimen. Auf diesem Hintergrund schrieb die Schauspielerin Nina Hoger ihr erstes Drehbuch. Und Manfred Stelzer inszenierte das Ganze dicht und düster. mehr
„Sisi“ bewegt sich im Rahmen seiner Vorgabe souverän. Schwarzenberger & Co haben augenscheinlich Vieles richtig gemacht - zum Beispiel Martina Gedeck als „Gegenspielerin“ zu besetzen. Das Herzstück aber ist: Cristiana "Sisi" Capotondi. Die emotionale Zurichtung der Dramaturgie auf die Hauptfigur ist das (offene) Geheimnis dieses Zweiteilers, bei dem sich nur Ignoranten fragen werden, ob die Italienerin so gut wie Romy Schneider ist! mehr
„Kaltes Herz“ ist ein typischer Köln-„Tatort“. Jeder Standpunkt wird auf eine Figur verteilt – so entsteht ein stereotyper Thesen-Krimi. Das ist ein wesentliches Symptom der Kölner Krankheit. Ein weiteres kommt im 46. Fall von Schenk und Ballauf erschwerend hinzu: nicht nur das Thema, auch der Krimi wird zu Tode geplottet. Mieses Buch, solide Regie. mehr
Er war ein deutscher David Copperfield. Nach dem Tod seiner Frau ist der Held von „Ein Sommer mit Paul“ in eine Lebenskrise geraten. Geradezu genüsslich leckt er seine Wunden und treibt mit seiner destruktiven Art den 12-jährigen Ziehsohn aus dem Haus. mehr
Kein Monat, in dem Matthias Brandt nicht in einer außergewöhnlichen Rolle zu sehen ist. Der Sohn von Willy Brandt, dem ausgerechnet als Kanzleramtsspion Guillaume der Durchbruch gelang, ist der Darsteller des Normalen, des Unauffälligen, des Bescheidenen. mehr
Der Aufschwung Ost lässt auf sich warten in Brandenburg. „Dettmanns weite Welt“ ist der dritte „Polizeiruf“, der in und um Wustermark spielt und auf vertrautes Personal baut. 1994 traten Lansky und Kollege Dettmann zum ersten Mal in Aktion und bekamen dafür den Grimme-Preis. Wieder ist Bernd Böhlich am Start; wieder bleibt die große Kohle aus. mehr
Katrin Saß (52) war ein Defa-Star und nach der Wende ein Niemand. In den 90er Jahren war sie „Polizeiruf“-Kommissarin – wegen Alkoholproblemen musste sie die Dienstmarke abgeben. Sie überstand ihre Krise und legte mit „Good Bye, Lenin“ ein großes Comeback hin. In „Liebe verlernt man nicht“ versucht sich die Schauspielerin nun im leichteren Fach. mehr
"Liebe verlernt man nicht" war ein Melo der besseren Sorte - nicht zuletzt wegen Katrin Saß. Dieses Gesicht, diese Stimme, dieser Mut zum Gefühl, das kann ein mittelmäßiges Melodram veredeln. Aber auch Stephan Luca gefiel als Objekt des weiblichen Begehrens. mehr
"Dein Essen sieht aus wie du. Erst bekommt man Appetit – und dann ist einem nur noch zum Kotzen zumute.“ Diesen Satz auf die ARD-Komödie zu übertragen – ein Leichtes! Der Einstand ein Versprechen, Diana Amft und Lale Yavas hinreißend, viele Details echt putzig, doch dann siegt die Genre-Konvention. Nur das gute Tempo bleibt bis zum Happy End. mehr